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The Favourite - Intrigen und Irrsinn
The Favourite - Intrigen und Irrsinn
© 20th Century Fox

Kritik: The Favourite - Intrigen und Irrsinn (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit skandalträchtigen und die Sehgewohnheiten des Zuschauers unterlaufenden Filmen wie "The Lobster" oder "Dogtooth" erwarb sich der griechische Filmemacher Yorgos Lanthimos den Ruf eines wahren Agent Provocateurs. "The Favourite", der 2018 im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig seine Weltpremiere feierte, ist sein dritter englischsprachiger Film. Das Historiendrama wurde für rund 15 Millionen US-Dollar vor allem in der nördlich von England gelegenen Grafschaft Hertfordshire gedreht.

Lustvoll und mit großer Freude an grotesker Überzeichnung schildert Lanthimos diesen Machtkampf am englischen Königshof des 18. Jahrhunderts. Sarah und Abigail buhlen um die Gunst einer gebrechlichen, cholerischen und immer wieder stark depressiven Regentin. Der Dynamik, die sich zwischen den drei Frauen entwickelt, kann man sich als Zuschauer kaum entziehen, da Lanthimos die Intrigen und Machtspielchen mit satirischen Elementen, überraschenden Wendungen, unerwarteten Abgründen und ebenso bissigem wie geschliffenem Wortwitz anreichert. Seine Figuren nimmt er dabei aber zu jeder Zeit ernst (selbst die launische Regentin) und er denkt gar nicht daran, sie der Lächerlichkeit preiszugeben.

Denn letztlich haben alle Drei ihre Gründe, wieso sie sich verhalten, wie sie sich verhalten. Und am Ende sind sie eigentlich allesamt Opfer ihrer Zeit und bemitleidenswerte Protagonistinnen. Überirdisch gut agieren Weisz, Stone sowie Colman in ihren ambivalenten, tiefgründigen Rollen. Sie spielen sich quasi im Sekundentakt die darstellerischen Bälle zu und verleihen ihren Figuren Würde und Komplexität. Trotz dieser vielschichtigen, mannigfaltigen Figurenzeichnungen legt der griechische Regisseur hier dennoch sein bislang zugänglichstes, "eingängigstes" Werk vor.

Neben einer ausgefeilten Kameraarbeit überzeugt zudem die üppige Ausstattung des Films, die dem barocken Hang zu Dekadenz und Verschwendung Tribut zollt – und darin mehr als sichtbar wird. Ententänze und Hummer-Wettlauf als Zeitvertreib, üppige Roben, ausschweifende Völlerei zu Tisch, übertrieben voluminöse Perücken und sinnlose (Rollen)Spiele aus Langeweile - letztlich entlarvt "The Favourite" mit all diesen Elementen das Treiben am Hof und das Leben des Hochadels als an Oberflächlichkeit kaum zu überbietendes, ebenso befremdliches wie morbides Kaspertheater.

Fazit: In seinem bis dato zugänglichsten Film entlarvt Yorgos Lanthimos das Leben am englischen Königshof als dekadentes, triviales Lustspiel, das von bemitleidenswerten, von Machthunger angetriebenen Figuren bevölkert wird.




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