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Kritik: The Mule (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Gangsterkomödien, in denen Senioren auf die schiefe Bahn geraten, setzen auf den lustigen Kontrast zwischen dem braven Image, das dieser Altersgruppe anhaftet, und dem Treiben der Hauptfiguren. In "Abgang mit Stil" raubten Senioren eine Bank aus, die sie in den Ruin getrieben hatte. Im Frühjahr 2019 kommt "Ein Gauner und Gentleman" in die Kinos, in dem Robert Redford einen Bankräuber spielt, der sich im Alter nicht zur Ruhe setzt. So wie dieser Film ist auch Clint Eastwoods neue Komödie, für die Nick Schenk ("Gran Torino") das Drehbuch schrieb, von einem wahren Fall inspiriert. Der 88-jährige Eastwood führte nicht nur Regie, sondern spielt auch die Hauptrolle des einsamen und mittellosen Earl Stone, der entdeckt, dass das Leben auch für ihn noch angenehme Seiten bereithält.

Eastwood sorgt mit seinem gut aufgelegten Spiel dafür, dass Earl trotz seiner kriminellen Tätigkeit stets sympathisch wirkt. Die mexikanischen Gangster nennen ihn "Papa" oder "Tata", sie verdrehen die Augen, weil er nicht weiß, was eine SMS ist. Für Drohgebärden ist Earl ziemlich unempfänglich, schließlich war er im Krieg. Er kann locker mit den grimmigen Typen umgehen, und mit amerikanischen Streifenpolizisten erst recht. Der alte Mann wird immer selbstsicherer, er holt sich auch mal zwei junge Frauen ins Motelzimmer, und er strahlt, wenn ihm die Enkelin und der Veteranenverein für seine Großzügigkeit danken. Earl unterstützt Leute, die Geld brauchen, was der Komödie subversiven, sozialkritischen Witz verleiht. Köstlich sind die Dialoge, in denen der Alte jüngeren Leuten Ratschläge geben will und dabei oft in Fettnäpfchen tappt, oder wenn er über ihre Handy-Abhängigkeit lästert. Manchmal wird es richtig bissig, zum Beispiel als Agent Bates und seine Leute auf dem Highway einen mexikanisch aussehenden Mann anhalten. Der unbescholtene Mann stammelt ängstlich etwas über Statistiken, wonach die größte Gefahr für sein Leben von einer Polizeikontrolle ausgehe.

Es ist herrlich, Eastwood am Steuer die Oldies oder die Countrymusik aus dem Radio mitsingen zu hören. Auf der Landstraße kommt Earl den amerikanischen Mythen näher, dem Western mit seinen Glücksrittern und Outlaws, dem Glück der Freiheit. Was aber ist die Freiheit wert ohne einen emotionalen Anker, ohne das Gefühl, geliebt zu werden? Earl bekommt spät die Chance, die Prioritäten im Leben neu zu setzen. Das alles mag nicht weltbewegend sein, bietet aber spannende, sehr vergnügliche Kinounterhaltung.

Fazit: Unter der Regie von Clint Eastwood entwickelt diese gut aufgelegte Gangsterkomödie über einen mittellosen Blumenzüchter und Kriegsveteran, der mit fast 90 Jahren Kurier eines Drogenkartells wird, Schwung und Biss. Der 88-jährige Schauspieler sorgt dafür, dass der Hauptcharakter trotz seiner kriminellen Aktivität höchst sympathisch wirkt. Earls spätes Aufblühen, das ihn Lieder im Auto trällern lässt, und seine spöttischen Bemerkungen über die Handy-Sucht der Jüngeren bescheren dem Film einige seiner vergnüglichsten Momente.




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