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Kritik: Hard Powder (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist kalt im winterlich weißen Ort Kehoe in den Rocky Mountains. Auch die Wärme seines gemütlichen Hauses hoch über dem Skiresort kann die Eiseskälte, die Nels Coxmans Seele erfasst hat, nicht mehr vertreiben. Denn der Sohn des tüchtigen Schneepflugfahrers, der gerade als "Bürger des Jahres" geehrt wurde, ist tot. Er wurde ein Opfer des mächtigen Drogengangsters Viking und Coxman beschließt, blutig Rache zu nehmen. Unterkühlter schwarzer Humor durchzieht diesen nicht von ungefähr sehr skandinavisch anmutenden Actionthriller. Sein Regisseur, der Norweger Hans Petter Moland, hat das in den USA spielende Remake seines eigenen Films "Einer nach dem anderen" aus dem Jahr 2014 inszeniert. Es bietet Liam Neeson einen eindrucksvollen Auftritt in seiner seit den "96 Hours"-Filmen bewährten Rolle des grimmigen Rächers.

Die verschneite Idylle von Kehoe trügt, denn auch hier haben Drogengangster ihr Revier. Normalerweise bekommen die Bürger und Wintertouristen davon nichts mit und selbst die Polizeistreife gibt sich ahnungslos. Ein älterer Polizist und seine eifrige junge Kollegin fungieren als komödiantisches Duo, das auf die vielen Toten ganz unterschiedlich reagiert. Coxman ist der Mann fürs Grobe, der nicht nur mit dem Schneepflug gründlich aufräumen kann. Der geschniegelte Gangster Viking fungiert als gegensätzlicher Charakter, er mordet aus anderen Gründen und außerdem ist er kein guter Vater für seinen intelligenten kleinen Sohn. Sehr cool wirken die indianischen Außenseiter um White Bull, die wissen, dass es nicht viel bringt, die Weißen verstehen zu wollen.

Immer, wenn wieder jemand in dieser Geschichte auf gewaltsame Weise stirbt, wird das auf schwarzhumorige Weise in einer Texteinblendung vermerkt. Trotz der kaltblütigen Exekutionen und der frostigen Atmosphäre, welche die winterliche Kulisse ausstrahlt, gibt es einen Keim des Guten, der nur darauf wartet, wieder aufgehen zu dürfen. Und unter dieser Prämisse lässt sich dieser etwas makabre Thriller ohne Skrupel als solide Kinounterhaltung konsumieren.

Fazit: Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland hat dieses amerikanische Remake seines schwarzhumorigen Thrillers "Einer nach dem anderen" selbst inszeniert. Der Hauptdarsteller Liam Neeson wirkt ideal besetzt in der Rolle eines unbescholtenen Schneepflugfahrers, der nach dem Tod seines Sohnes zum einsamen Rächer mutiert. Er macht kaltblütig Jagd auf einen Drogenbaron und löst dabei einen Revierkrieg zweier Kartelle vom Zaun, der von der friedlichen Idylle eines verschneiten Skiresorts nicht mehr viel übriglässt. Mit skandinavisch unterkühlter, makabrer Komik wird aus dem grimmigen Geschehen ein solides Filmvergnügen.




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