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Yesterday
Yesterday
© Universal Pictures International

Kritik: Yesterday (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Was wäre, wenn die Chance auf eine kometenhafte Musikkarriere plötzlich zum Greifen nahe wäre, man dafür aber betrügerische Energie aufbringen müsste? Dieser Frage gehen Regisseur Danny Boyle ("T2 Trainspotting") und Drehbuchautor Richard Curtis ("Trash") in der romantischen Tragikomödie "Yesterday" nach, die sich – der Titel lässt es bereits erahnen – tief vor den Beatles und ihrem Schaffen verneigt. Im Mittelpunkt der Handlung steht der glücklose Singer-Songwriter Jack Malik (Himesh Patel), dem der große Durchbruch nicht gelingen will, so sehr er sich auch anstrengt und so loyal ihm seine beste Freundin Ellie (Lily James) als Managerin auch zur Seite steht. Eines Abends kommt es allerdings zu einem weltweiten, zwölf Sekunden langen Stromausfall, bei dem Jack von einem Bus angefahren wird. Nachdem er das Krankenhaus wieder verlassen hat, macht er eine seltsame Entdeckung: Scheinbar kann einzig er sich an die Beatles und ihre unsterbliche Musik erinnern. Da die Existenz der Band wie ausgelöscht ist, gibt er ihre Schöpfungen als seine Kreationen aus und steigt schon bald zu einem gefeierten Star auf.

Die fantastisch angehauchte Prämisse, die der Zuschauer ohne weitere Erklärungen hinnehmen muss, ist griffig, originell und gibt den Machern die Möglichkeit, herrlich komische Situationen heraufzubeschwören. In der ersten Hälfte fliegen einem die Pointen nur so um die Ohren. Und erfreulich oft finden die Gags ihren Weg ins Ziel. Lustig sind schon die panischen Suchattacken auf Google, die Jack schlagartig vor Augen führen, dass die Welt seit dem Stromausfall auf mysteriöse Weise aus dem Gleichgewicht geraten ist. Nicht nur die Beatles scheinen von der Bildfläche verschwunden. Auch andere Marken und Gegenstände hat es durch den kosmischen Eingriff offenkundig erwischt. Zu den witzigsten Passagen des ganzen Films gehört zweifelsohne der Moment, in dem Jack seine nicht sonderlich aufmerksamen Eltern (kleine Szenendiebe: Meera Syal und Sanjeev Bhaskar) zum ersten Mal in den Genuss des Klassikers "Le It Be" kommen lassen möchte. Für ein Schmunzeln dürften auch die Auftritte von Musiker Ed Sheeran sorgen, der sich und sein Werk augenzwinkernd auf die Schippe nimmt. Spaßig geraten zudem Jacks Versuche, sich krampfhaft an den genauen Wortlaut der Beatles-Texte zu erinnern, wobei mitunter verschiedene Möglichkeiten visualisiert werden.

"Yesterday" hat eine ganze Weile Pfiff und wirkt nicht zuletzt dank des bodenständigen Spiels von Hauptdarsteller Himesh Patel rundum sympathisch. In der zweiten Hälfte verliert die Komödie dann aber einiges von ihrem Charme, da das Drehbuch immer stärker dem Malen-nach-Zahlen-Muster folgt. Statt die innere Entwicklung des Protagonisten, seine Zweifel und Gewissensbisse ob des unberechtigten Erfolgs genauer zu untersuchen, belassen es Boyle und Curtis bei oberflächlichen Beobachtungen und treiben die Handlung mehr und mehr in Richtung eines kitschigen Hollywood-Märchens samt forciertem Liebesglück. Weil die Erkenntnisse der Figuren arg behauptet wirken, hält sich die emotionale Ausdruckkraft in Grenzen. Erst recht, wenn im plakativen Finale auch wirklich jeder Topf seinen Deckel bekommt. Die Spritzigkeit des Anfangs ist hier leider endgültig verflogen.

Fazit: Tragikomödie, die aus ihrem Was-wäre-wenn-Szenario herrlich witzige Begebenheiten zieht, mit der Zeit aber ins arg Formelhafte umschlägt.




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