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Onward: Keine halben Sachen
Onward: Keine halben Sachen
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Onward: Keine halben Sachen (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Kinder, und nicht nur die, lieben Fantasywelten, in denen sich magische Wesen wie Elfen, Trolle, Zentauren und Drachen tummeln. Aber fehlt den Geschichten, die von ihnen handeln, nicht der Bezug zur Lebenswelt des Publikums? In den Animationsfilmen aus dem Hause Disney haben bereits diverse Prinzessinnen der Grimmschen Märchen eine zeitgemäße Emanzipation durchlaufen und gelernt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. In "Onward" schlägt Disney-Pixar eine Brücke zwischen Mythologie und Gegenwart. Und zwar setzt der Regisseur Dan Scanlon ("Die Monster Uni") die Elfen, Zentauren, Trolle in die pilzförmigen Häuschen einer Vorortsiedlung, lässt sie Auto fahren, zur Schule gehen, als wären sie Menschen von heute. Die Einhörner wühlen auf der Straße in Mülltonnen. Die magische Welt von einst hat eben, so wird am Anfang beklagt, ihre Wunder eingebüßt.

Und doch geht es auf dem Roadtrip, den die beiden ungleichen Brüder Ian und Barley starten, sozusagen zurück zu den Wurzeln. Die Fahrt führt über Autobahnen und an Industriezonen vorbei aufs Land, zu urigen düsteren Gemäuern, in die grüne Wildnis. Das Fabelwesen Mantikor, das ein Familienrestaurant führt, muss von Ian an seine kriegerische Kraft erinnert werden. Hier draußen zogen einst auch die weißen Siedlertrecks vorbei, um glückliche Familien zu gründen. Ian und Barley haben zwar eine starke Mutter, vermissen aber den Vater und mit ihm den Schlüssel zur Magie, den Talenten, die in ihnen stecken. Auf ihrer Mission müssen sie diese trotzdem dringend entfalten, indem sie sich gegenseitig herausfordern und unterstützen.

Schon die Idee, den Vater nur als Unterkörper lebendig werden zu lassen, ist herrlich originell. Die Geschichte hat Witz und die Brüder ergeben ein aufregendes Gespann, das Verfolgungsjagden mit geflügelten winzigen Rockern und der Polizei und weitere Mutproben bestehen muss. Die Animation ist ein Genuss, vor allem die Figurenzeichnung begeistert. Der schlaksige, zögerliche Ian und der ungestüme Barley verfügen über eine Mimik, Gestik und Körperhaltung, die Bände spricht. Sie wirken wie Menschen aus Fleisch und Blut und besonders Ian erobert die Herzen der Zuschauer im Flug. Dennoch wird die Abenteuerhandlung erst ganz am Schluss richtig emotional. Aber während in vielen Filmen gerade ein solches Ende misslingt, treibt es einem hier die Tränen in die Augen.

Fazit: Auch Elfen und Zentauren führen längst ein bürgerliches Vorstadtleben und haben im modernen Alltag den Bezug zu ihrer einstigen Magie und Kraft verloren. Aber zwei Elfenbrüder entdecken, was wirklich in ihnen steckt, als sie aufbrechen, um einen Zauberstein zu finden, der ihnen den verstorbenen Vater für ein paar Stunden zurückbringen könnte. Das witzige Animationsabenteuer von Disney-Pixar gerät unter der Regie von Dan Scanlon zum zauberhaften Filmgenuss. Die Figuren mit ihrer lebendigen Ausdruckskraft, die originellen Ideen und die Extraportion Gefühl am Schluss prägen sich nachhaltig ein.




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