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The French Dispatch
The French Dispatch
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: The French Dispatch (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der in Houston, Texas geborene Filmemacher Wes Anderson gilt als Meister der Skurrilität. Seine Komödien, etwa "The Royal Tenenbaums" (2001) oder "Grand Budapest Hotel" (2014), sind surreal-chaotisch und stecken voller Ideen. Zuweilen wird dem Regisseur vorgeworfen, sich zu sehr in seinem eigenen Mikrokosmos zu bewegen. Wer den Werken Andersons bisher nichts abgewinnen konnte, wird sich vermutlich durch seine neue Arbeit "The French Dispatch" nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Anderson bleibt seiner künstlerischen Handschrift treu und liefert eine Vielzahl verschrobener Figuren, die mit großer Selbstverständlichkeit durch die betont schrägen Plots wuseln.

Die episodische Erzählweise ermöglicht es dem Regisseur, mit zahlreichen Schauplätzen aufzuwarten und ein facettenreiches Personal zum Einsatz zu bringen. Wie bei Anderson üblich, lassen sich selbst in winzigen Rollen noch bekannte Gesichter entdecken. Stars wie Bill Murray, Tilda Swinton, Adrien Brody, Saoirse Ronan und Léa Seydoux zeigen enorme Spielfreude; besonders hervorzuheben sind Frances McDormand als Journalistin, die es mit der Neutralität nicht ganz so genau nimmt, und Benicio Del Toro als knurrender, wegen Doppelmordes verurteilter Maler. Timothée Chalamet ("Call Me by Your Name") ist ein willkommener Neuzugang im Anderson-Universum.

Neben aufwendigen tableaux vivants setzt "The French Dispatch" unter anderem auf einen Wechsel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen, auf Comicsequenzen, auf originelle Cadrage sowie auf detailreiche Ausstattung, um uns in eine Fantasiewelt zu entführen. Gelegentlich mag das um eine Spur zu selbstverliebt und prätentiös sein; dennoch kann man sich dem Charme dieses Werks kaum entziehen.

Fazit: Ein klassischer Anderson mit liebevoller Gestaltung, schrulligen Figuren, absurden Handlungssträngen und toller Besetzung. Ein Triumph der Exzentrik!




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