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Kritik: Tom und Jerry (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Tom und Jerry gibt es als von William Hanna und Joseph Barbera erschaffene Trickfilmcharaktere schon seit über 80 Jahren. Das rauflustige Katz-und-Maus-Duo war in den ersten Jahrzehnten in kurzen, für das Kino produzierten Filmen zu sehen und später auch in Fernsehserien, die sich beispielsweise die Kinder der 1980er Jahre in Deutschland zu Gemüte führen konnten. Nach dem animierten Spielfilm "Tom und Jerry: Der Film" von 1992 kommt nun unter der Regie von Tim Story ("Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer") ein hybrides Abenteuer ins Kino. Darin sind Kater, Maus und die anderen Tiere im klassischen Stil animiert, während die menschlichen Charaktere und die Kulissen einen Realfilm bilden. Im Drehbuch von Kevin Costello nimmt die menschliche Handlungsebene mit der Traumhochzeit eine wichtige Rolle ein. Aber für Tom und Jerry bleibt dennoch viel Raum, sich die slapstickreichen Jagden zu liefern, die ihr Markenzeichen sind.

Die physischen Auseinandersetzungen von Katz und Maus erinnern klar an die Zeichentrickserien. Schon allein Toms Versuche, durch ein Hotelfenster in Jerrys Zimmer zu gelangen, zeigen, dass der Kinofilm den Stil der alten Vorlagen ernst nimmt. Dem Kater passieren die aberwitzigsten Missgeschicke und Unfälle, aber sein Körper ist nach wie vor zum Glück unkaputtbar. So hart im Nehmen Tom sein muss, so unbekümmert zieht Jerry sein Mäuseding durch, oft direkt vor den Augen des wütenden Katers. Es passt zur Persönlichkeit des Nagers, dass er eine Visitenkarte besitzt – etwa, um sie der Hotelkraft Kayla beim ersten Treffen zu überreichen. Dass Tom und Jerry sich jemals vertragen könnten, liegt nicht in ihren Genen, aber gerade diese schwere Prüfung mutet Kayla ihnen hier zu.

Denn es wäre ja schade um das schöne Hotel, wenn Tom und Jerry es dauerhaft ruinieren würden. Für weiteren Trubel sorgen nicht nur die Haustiere des Hochzeitspaares, auch dieses selbst hält mit seinen ausgefallenen Wünschen Kayla und das Management in Atem. Kayla wird von Chloë Grace Moretz als pfiffige, aber gestresste Sympathieträgerin gespielt, während Michael Peña als ihr neidischer Kontrahent Terence sein komödiantisches Talent noch klarer zur Geltung bringt. Die menschlichen Abenteuer sind unterhaltsam genug, um der turbulenten Katz- und Maus-Action einen kleidsamen Handlungsrahmen zu bieten.

Fazit: Unter der Regie von Tim Story jagen sich die klassischen Trickfilmfiguren Tom und Jerry durch ein Realfilmszenario, in welchem nur die tierischen Charaktere animiert sind. Die turbulente, slapstickreiche Action, die sich der tollpatschige Kater und die gewitzte Maus liefern, überzeugt mit ihrer stilistischen Nähe zu den filmischen, ursprünglich von William Hanna und Joseph Barbera geschaffenen Cartoons. Dass die Handlung hauptsächlich in der Welt der Menschen angesiedelt ist, mit einer Mega-Hochzeit in einem Luxushotel und einer überforderten Eventplanerin, schmälert das Vergnügen nicht wirklich, sondern sorgt für zusätzlichen, recht harmlosen Charme.




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