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Kritik: Saw: Spiral (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vier Jahre nach dem jüngsten offiziellen, achten Teil des "Saw"-Franchise stellt "Spiral" ein eigenständiges Spin-Off dar, welches jedoch in der Zeitlinie der übrigen "Saw"-Filme angesiedelt ist. Gedreht wurde der Film bereits im Sommer 2019, der Kinostart in Deutschland wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch mehrfach verschoben. Die Idee zum Film stammt von Hauptdarsteller Chris Rock, der sich von dem Thriller-Klassiker "Sieben" inspirieren ließ.

Chris Rock ist ein bekennender Fan der Reihe, was man seinem Film durchaus anmerkt. Immerhin ist "Spiral" mit einigen subtilen Verweisen und witzigen One-Linern gespickt, die als Referenz an die "Jigsaw"-Filme zu verstehen sind. Wer die übrigen Teile nicht kennt, findet dennoch recht schnell in die Handlung, da Rock, abgesehen von den Anspielungen in den Dialogen, kein Vorwissen voraussetzt.

Angenehm ist, dass "Spiral" auf jenes Element verzichtet, welche vor allem die Teile vier bis sieben auszeichnete und beim Betrachten zuletzt vermehrt für gähnende Langweile sorgte: die immer gleiche Aneinanderreihung von Rückblenden und Erinnerungsfetzen, die – den in der filmischen Gegenwart längst verstorbenen – John Kramer nochmals zeigten. Der Schwerpunkt liegt außerdem nicht ganz so stark auf den perversen Folter-Methoden und Torture-Porn-Momenten wie in den vorherigen Produktionen. Selbst wenn man zugeben muss: In Sachen Brutalität und Gewalt ist "Spiral" durchaus hart geraten, was sich schon in den ersten zwanzig Minuten zeigt. Anders formuliert: Die FSK-18-Freigabe ist auf jeden Fall berechtigt.

Das größte Plus ist, dass Rock den Humor-Anteil deutlich erhöht hat. Einige der spritzigen, gewitzten Wortgefechte, allen voran zwischen Rocks Figur und seinem Vater (Samuel L. Jackson), sind tatsächlich ebenso pointiert wie unterhaltsam geraten. Überhaupt verbucht Rocks Figur mit seinem zwischen Resignation, Verbitterung und Zynismus angesiedelten Charakter sowie den markigen Sprüchen einige der besten Momente auf sich.

Schwächen zeigt der Film bei seinen streckenweisen krampfhaften und verkrampften Versuchen, ähnlich beklemmend und düster wie David Finchers "Sieben" erscheinen zu wollen. Doch zu keinem Zeitpunkt erreicht "Spiral" auch nur annähernd die Spannung oder die Dringlichkeit des überlebensgroßen Thriller-Meilensteins.

Fazit: Vereinzelt überraschend spaßiges, passend besetztes Spin-Off mit deftigen Gewaltspitzen, dessen Spannungskurve leider nie wirklich Fahrt aufnimmt.




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