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Belfast (2021)

Kenneth Branaghs Drama "Belfast" basiert auf den Kindheitserinnerungen des Regisseurs an den gewalttätigen Sommer 1969im nordirischen Belfast...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der neunjährige Buddy (Jude Hill) lebt eine unbeschwerte Kindheit in einem Viertel der nordirischen Hauptstadt Belfast. In der Schule verliebt er sich in ein Mädchen, von dem er den Großeltern Pop (Ciarán Hinds) und Granny (Judi Dench) bei seinen täglichen Besuchen erzählt. Aber die fröhlichen Spiele auf der Straße sind auf einmal schwer beeinträchtigt und Buddys Kindheit steuert auf ihr Ende zu. Denn in jenem Sommer 1969 zieht plötzlich ein gewalttätiger Mob durch die Straßen. Die friedliche Nachbarschaft teilt sich in Protestanten und Katholiken, viele Leute stehen sich nun unversöhnlich gegenüber oder sehen sich zum Wegziehen genötigt. Barrikaden werden auf den Straßen errichtet.

Buddys Mutter, Ma (Caitríona Balfe) genannt, sorgt sich um die Sicherheit Buddys und seines größeren Bruders Will (Lewis McAskie) und streitet oft mit seinem Vater, Pa (Jamie Dornan) genannt, der in London arbeitet und nur alle ein bis zwei Wochen kurz heimkommt. Der Vater will nun, dass die Familie nach England zieht, doch Ma ist dagegen, sie will das angestammte Leben in der Nachbarschaft nicht aufgeben. Die protestantischen, aber keineswegs radikalen Eltern schärfen ihren Söhnen ein, sich aus allen Konflikten herauszuhalten. Doch es kommt der Tag, an dem die Familie in akute Gefahr gerät.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

"Ich weiß noch, wie sich eines Nachmittags, beinahe in Zeitlupe, unser Leben komplett verändert hat", erzählt der aus Belfast stammende Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Kenneth Branagh ("Thor") im Presseheft. Mit den gewalttätigen Unruhen im nordirischen Konflikt 1969 steuert die bislang unbeschwerte Kindheit des fiktionalisierten Filmcharakters Buddy einem frühen Ende zu. Branagh ließ sich zu ihm von seinen Erinnerungen inspirieren und huldigt mit Wehmut einer einst weitgehend intakten Nachbarschaft in Belfast, die bald in Trümmern liegen sollte.

Die humorvollen Charaktere, die Lebenslust der Menschen kontrastieren mit der aufziehenden Gefahr. Der junge Jude Hill spielt Buddy als fröhlichen, lebhaften Jungen, der sich im Viertel zunächst noch wie ein Fisch im Wasser fühlt. Das erste Schwärmen für ein Mädchen, der Ladendiebstahl, zu dem er überredet wird, die grimmige Predigt eines Pfarrers, die gewitzte Art des Großvaters, ihm ein wenig Schummelei bei den Hausaufgaben beizubringen: Buddys Erlebnisse vermischen sich in seiner Gefühlswelt mit den Western und anderen Filmen, die er im Kino und im Fernsehen sieht. Die Unruhen münden einmal aus seiner Sicht in einen Showdown, der auch einem Western entsprungen sein könnte. Oft aus Untersicht und in beängstigend engen Gängen gefilmt, spiegelt die Kamera des fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gedrehten Films die Gefühlswelt des Kindes. Ein-zweimal stockt das Geschehen zum unvergesslichen Moment, etwa als Buddy selig und stolz einen schulischen Erfolg in Mathe genießt und den damit verbundenen Platzwechsel in die Nähe seines Schwarms.

Die zentralen Charaktere werden sehr gut gespielt. Ciarán Hinds und Judi Dench prägen sich besonders ein in ihrer Darstellung der herzlichen Großeltern. Mit den Songs von Van Morrison, einem weiteren Sohn Belfasts, erfährt der Film eine nostalgische Veredelung, die beinahe schon überhöhend wirkt. Über die Ursachen und Verläufe des Nordirlandkonflikts aber ist nicht viel zu erfahren und über weite Strecken steht die Uneinigkeit der Eltern, ob man wegziehen oder bleiben soll, im Vordergrund. Der verklärende Blick Branaghs gilt dem verlorenen Glück in einer Stadt, die damals für so viele Menschen unbewohnbar wurde.

Fazit: In seinem autobiografisch gefärbten Spielfilm huldigt der Regisseur und Drehbuchautor Kenneth Branagh dem Lebensgefühl in Belfast, der Stadt seiner Kindheit, am historischen Wendepunkt 1969. Die fröhlichen Tage des Jungen Buddy werden plötzlich überschattet von den Unruhen, die die Nachbarschaft in verfeindete Protestanten und Katholiken spalten. Geborgenheit im Familienkreis und Angst wechseln sich im Erleben des Jungen ab, der auch stark von den Spielfilmen, die er sieht, geprägt ist. Branaghs Hang zur stimmungsvollen Nostalgie wird von den Aufnahmen in Schwarz-Weiß und den Liedern Van Morrisons elegant unterstützt, während Darsteller*innen wie Ciarán Hinds, Judi Dench und der junge Jude Hill die Herzlichkeit und den Humor der Menschen betonen.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollDie intensivsten Erinnerungen haben wir alle an die eigene Kindheit, und hier liegen auch die stärksten Quellen für unsere Fantasien. Große Filmemacher wie Fellini, Bergman, Woody Allen und John Boorman haben Filme gemacht, die auf ihren [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: England
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 98 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 24.02.2022
Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Jamie Dornan als Pa, Caitriona Balfe als Ma, Judi Dench als Granny
Verleih: Universal Pictures International

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