VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Independence Day (1996)


Jetzt ist Schluss mit der Nettigkeit. Kein Kinderfreund E.T. mehr, keine faszinierend helle "Unheimliche Begegnung der dritten Art" mit friedlichen Ausserirdischen. Die Fremden kommen duester und uebermaechtig, gruppieren ihre riesigen Schuesseln ueber den Hauptstaedten der Welt und starten ein Werk der Zerstoerung, das selbst haerteste Militaers erschuettert. Nur durch die Initiative des genialen Nachrichtentechnikers David Levinson (Jeff Goldblum)
kann der US-Praesident rechtzeitig das Weisse Haus verlassen.
(David erkennt fruehzeitig, dass jemand, der den Fernsehempfang stoert, nichts Gutes im Sinn haben kann.) Ein gigantisches Flammenmeer, das einst Washington hiess, jagt dem fluechtenden Flieger hinterher. Alle militaerischen Attacken prallen vom Schutzschild der Angreifer ab, der Gegenangriff faellt wie ein hochgeruesteter Heuschreckenschwarm ueber eine der letzten Flugstaffeln her. Nur der Marine Steven Hiller (Will Smith) kann entkommen und schlaegt zurueck ...

"Independence Day" traf Amerika wie eine Bombe. Kein Wunder, erlebte die Nation doch erst gerade durch mehrere Bombenanschlaege, wie verletzlich sie ist. Und jetzt zeigten die Trailer einfach nur, wie die hoechsten Symbole des Landes in die Luft fliegen:
Die Freiheitsstatue, das Lincoln Memorial, das Weisse Haus - alles verschwindet im Feuersturm der Ausserirdischen. Dann starte man "Independence Day" noch am 4. Juli, dem gleichnamigen nationalen Feier- und Unabhaengigkeitstag, und die Besucherrekorde sind vorprogrammiert.

Die emotionale Dramaturgie zwingt das Objekt der Identifikation brutal auf den Boden, zerschmettert die Weltmacht in wenigen Stunden - und laesst sie dann glorreich zurueckschlagen. Nicht nur die Trickaufnahmen sind ungeheuer, noch viel mehr erlaubt sich die Handlung: Ein US-Praesidenten als Superheld, der selbst die Sache in die Hand nimmt - wann gab's schon mal? Der Einsatz von Atombomben wird wieder als sehr sinnvoll geschildert. Nachdem Mister Superpresident (Bill Pullman) eigenhaendig die Erde rettete, soll der 4.Juli nun weltweit Independence Day sein - und alle trinken Cola bei MacDonalds. Eine unerschoepfliche Fundgrube fuer Ethnologen des Hollywood-Volkes.

"Independence Day" mag nicht das tiefgruendige, komplex verschluesselte Denkwerk sein, das war noch nie das Ding von Regisseur Emmerich, der am Buch mitschrieb. Die ebenso effekt- wie affektreiche Story sammelt reichlich persoenliche Schicksale und Attraktionen. Vom Luft- bis zum Faustkampf mit den Ausserirdischen, von den tapferen Marines aus der Fernsehserie "Earth 2063" bis zum Finale von "Star Wars". Endete "Der Krieg der Welten" von H.G.Wells mit dem Sieg der Schnupfenviren, schlagen jetzt ihre digitalen Nachfolger zu. Bei einem enormen Rechneraufwand fuer Explosionen und Raumschiffe ist "Independence Day" aber mehr als das einfache Technikspektakel. Die Bilder und Visionen dieses Film hinterlassen nachhaltigen Eindruck. Da haette man problemlos etwas vom typischen Katastrophenfilm-Personal weglassen
koennen.

Eine fantastische Geschichte hinter den Kulissen ist der Erfolg des Schwaben Roland Emmerich. "Das Arche Noah Prinzip", schon ein packender Science-Fiction ueber Wettermanipulation aus dem All, war sein erster Schritt in Richtung Hollywood. Emmerich blieb dem Genre und seinen findigen Special Effects treu. Nach dem aufwendigen, aber inhaltlich schalen "Moon 44" folgten "Universal Solider" und "Stargate". Mit relativ geringem Aufwand brachten sie grossen Gewinn - so einen lieben die Studios. Und jetzt macht der ehemalige Muenchener Filmstudent Steven Spielberg den erfolgreichsten Film der Geschichte abspenstig.

Beurteilung: Vier(ter) von Fuenf moeglichen Julitagen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.