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Kritik: Blade (1998)


Ihr Auftritt, Mr. Snipes: Mit dem furiosen Tempo eines Videoclips entfaltet die perfekt choreographierte Auftaktsequenz dieses urbanen Blutsauger-Comics ein orgiastisches, von hypnotischen Techno-Rhythmen angetriebenes Leinwandmassaker: Ruckzuck zerstückelt, martert und verbrennt der wohl humorloseste Held der jüngeren Kinogeschichte ein Heer von Untoten in artistischer Hongkong-Manier und markiert damit auch schon den Höhepunkt dieses zum cineastischen Blutrausch umfunktionierten Action-Feuerwerks.

"Blade" ist eine grobschlächtige Kinoadaption der gleichnamigen Marvel-Comics und dabei ein Film, der Sinn und Logik meidet wie der Vampir das Sonnenlicht. Köpfe rollen, Körper explodieren, hektoliterweise fließt das Blut – Wesley Snipes aber läßt das alles kalt: Gegen die maskenhafte Gesichtsakrobatik dieses mit falschem Gebiß und echten Muskelpaketen aufgerüsteten Action-Helden wirkt selbst Arnold Schwarzenegger wie ein subtiler Charaktermime.

Der Effektspezialist Stephen Norrington sorgt sich nicht um die Akteure oder die rudimentäre Handlung seines Films – vielmehr zelebriert der britische Regisseur ("Death Machine") mit sichtlichem Genuß die optisch geschliffene Darbietung einer stilistisch ausgefeilten Gewaltästhetik: "Blade" ist ein in Schwarz, Weiß und Rot gehaltenes "Mortal Kombat" der Untoten, das zudem ungeniert – Klauen gehört zum Handwerk – den Fundus von "Highlander", "Jäger des verlorenen Schatzes" und zahlreicher asiatischer Action-Filme plündert.

Spaßfaktor Gewalt: Norringtons cartoonesk überzeichnete, von rasanten Schnitten und extremen Perspektiven dominierte Blutsauger-Saga ist pure cineastische Zerstreuung – ein konsequent blutrünstiges, auf die eskapistischen Vorlieben seines emotional deprivierten Publikums abgestimmtes Popcorn-Spektakel, bei dessen Darbietung sich das Kino in ein Kolosseum verwandelt: panem et circenses für die Fans.





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