Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Good Bye Lenin! - Daniel Brühl
Good Bye Lenin! - Daniel Brühl
© Sony Pictures

TV-Tipps für den Tag der Deutschen Einheit (3.10.): Daniel Brühl vereinigt Deutschland

ARD zeigt "Good Bye Lenin!"

Zum Tag der Deutschen Einheit serviert das öffentlich-rechtliche Fernsehen am Donnerstagabend den angemessenen Doppel-Whopper deutscher Geschichte: Parallel laufen im Nachtprogramm vom ARD und 3sat "Good Bye Lenin!" und "Boxhagener Platz".

"Good Bye Lenin!", ARD, 00:40 Uhr
1990 muss ein junger Mann (Daniel Brühl) seiner Mutter (Katrin Sass), die aus einem langen Koma erwacht ist, verheimlichen, dass ihre geliebte DDR nicht mehr existiert.

Der Trailer ließ eine Klamotte befürchten, doch der Film selbst ist alles andere als das: Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Becker ("Ich und Kaminski"), geboren und aufgewachsen im Sauerland, ausgebildet in West-Berlin, gelang eine warmherzige, melancholische und teilweise berührende heimische Komödie, der es dennoch nicht an Witz fehlt. Was der vor Ort in Berlin gedrehten X Filme-Produktion besonders gut gelingt, ist die soziale Kritik am Vereinigungsprozess, bei dem zu viele Verantwortliche in Politik, Medien und Gesellschaft durch die westdeutsche Brille nicht wahrhaben wollten oder konnten, dass die DDR eben nicht nur ein Staat, sondern auch Heimat war - eine Heimat, die nun tagtäglich vor den Augen ihrer Bewohner buchstäblich verschwand.

Wie schnell die Zeit Veränderungen mit sich gebracht hatte, bekamen auch das Filmteam und in der Folge die Zuschauer zu spüren, denn in der 2001 gedrehten Produktion sind einige Anachronismen sichtbar - Requisiten, die es zur Spielzeit 1990 noch nicht gegeben hatte, die wieder zu beschaffen oder herbei zu schaffen inzwischen aber offensichtlich unmöglich oder zu schwierig war.

Als "Good Bye Lenin!" 2003 in die Kinos kam, war die Zeit offenbar reif für einen solchen Streifen. Mit 6,5 Millionen Besuchern wurde der Film ein riesiger Erfolg und kam auf Platz drei des Jahres hinter "Der Herr Ringe - Die Rückkehr des Königs" und "Findet Nemo". Aber auch international kam das Werk gut an, so dass die rund 10 Millionen Mark - das entsprach etwa 6 Millionen Dollar - teure Produktion weltweit 79 Millionen Dollar einspielte.

Neben zwei Nominierungen als "Bester fremdsprachiger Film" für einen Golden Globe und den Britischen Filmpreis sowie dem Gewinn des Dänischen Filmpreises, des Französischen Filmpreises und des Spanischen Filmpreises feierte "Good Bye Lenin!" vor allem bei den Deutschen und den Europäischen Filmpreisen Triumphe. In Europa wurden Regisseur Wolfgang Becker, Hauptdarstellerin Katrin Sass und Hauptdarsteller Daniel Brühl ausgezeichnet; nominiert waren noch der Film selbst und das Drehbuch. In Deutschland gewannen der Film, Regisseur Becker, Hauptdarsteller Brühl, Nebendarsteller Florian Lukas, Komponist Yann Tiersen, Cutter Peter Adam und Ausstatter Lothar Holler. Nominiert waren zudem Hauptdarstellerin Sass und Nebendarstellerin Maria Simon.

Eine Zuschauerin lobt: "Selten kommen mein Partner und ich so still aus dem Kino. Normalerweise versuchen wir sofort den Film in seine Einzelteile zu analysieren. Dieses Mal war einer dieser Anlässe, wo wir einfach nur still das Gefühl von Verständnis und Befriedigung sacken lassen wollten, das sich einstellt, wenn man sich in totaler Harmonie mit einem Geschichtenerzähler befindet. Dieser Streifen schafft es, liebevoll die vielschichtigen Elemente unseres Alltagslebens zu kombinieren, ohne scheinheilig, politisch oder rührselig zu werden. Es gibt keine Versuche, billige Lacher zu produzieren, wie es eine Hollywood-Komödie wohl getan hätte, sondern die Filmemacher haben sich dem ganzen Unterfangen mit einem selten gesehenen 'weniger ist mehr'-Prinzip genähert."



"Boxhagener Platz", 3sat, 00:50 Uhr
Während im Westen 1968 die Jugendrevolte tobt, arrangieren sich rund um den Ost-Berliner Boxhagener Platz Altnazis wie linke Idealisten und Kritiker wie Mitläufer mit dem DDR-Regime.

Ein hervorragend gespielter "Heimatfilm", der mit feiner Ironie das Lebensgefühl der späten Sechziger in der DDR gut einfängt. Da sich der titelgebende Platz im Bezirk Friedrichshain seitdem zu sehr verändert hatte, konnte man allerdings nicht dort drehen, sondern errichtete statt dessen eine Kulisse in den Babelsberg Filmstudios.

Zugrunde liegt dem deutschen Drama der gleichnamige Roman von Torsten Schulz aus dem Jahr 2004, der auch zusammen mit Regisseur Matti Geschonneck ("In Zeiten des abnehmenden Lichts") das Drehbuch verfasste.

"Boxhagener Platz" kam 2010 von guten Kritiken begleitet in die Programmkinos und konnte 178 000 Zuschauer für sich gewinnen. Nebendarstellerin Meret Becker erhielt eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis.

Kritiker Hans-Ulrich Pönack urteilte im "Deutschland Radio": "Kiez-Atmosphäre in der Annodunnemal-DDR. Berliner Typen mit Herz, Schnauze und Uniform. Spannende Gesichter inmitten einer verordneten Gesichtslosigkeit. Tragikomische Motive aus dem DDR-Alltag. Pointiert, lebensecht, folklorefrei. Emotional, packend. Und ohne die üblichen Zonen-Zoten. Dafür ebenso verschroben wie melancholisch wie lakonisch. Aber auch mit Härte und Kälte. Die Mixtur stimmt."



Hier geht es zum kompletten TV-Programm


Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.