Mach Platz, Potter! Peter Jackson hat mit großer Starbesetzung das Unmögliche versucht, ein unverfilmbares Buch auf Zelluloid zu bannen - mit Erfolg, denn das Epos überwältigt und fasziniert mit unglaublichen Bildern...
Inhalt
Frodo Beutlin ist ein junger Hobbit, der von seinem älteren Cousin Bilbo adoptiert wurde und mit diesem zusammen im Auenland lebt. Eines Tages verlässt Bilbo seine Heimat und übergibt Frodo fast alle seine Habseligkeiten, darunter auch einen ganz besonderen Ring. Mittelerde wird immer mehr von Sauron, dem Herrscher des Bösen, bedroht, und nachdem Gandalf seine Vermutung bestätigt findet, dass Frodos Ring der Eine Ring, der Beherrscher aller Ringe der Macht ist, muss sein Plan zur Zerstörung des Ringes sofort durchgeführt werden. Frodo flüchtet mit seinen Hobbitfreunden aus Hobbingen, immer bedroht durch die schwarzen Reiter, die den Ring der Macht suchen. In Bree treffen die Hobbits Streicher, den Waldläufer alias Aragorn, letzter Spross der Könige von Numenor. Mit Müh und Not schaffen sie es bis zur Furt des Silberlaufs, wo Bruchtal, das Reich von Elrond beginnt. Hier jedoch gelingt es den schwarzen Reitern fast, Frodo und den Ring in ihre Gewalt zu bringen. Der Elb Glorfindel und Gandalf eilen zu Hilfe und schaffen es, die Reiter in Flucht zu schlagen. Nach Frodos Genesung beginnt der Rat von Elrond in Bruchtal, wo die Gruppe der neun Gefährten ausgewählt wird. Diese haben den Auftrag, bis zu den Schicksalsklüften vorzudringen, um den Ring in dem Berg des Feuers zu vernichten. Der Ringträger wird von den Hobbits Sam, Merry und Pippin, dem Waldläufer Aragorn, dem Elb Legolas, Gimli, dem Zwerg, von Boromir, einem Menschen aus Gondor und von Gandalf dem Zauberer als Anführer der Gruppe begleitet. Heimlich brechen sie ihre Reise an, scheitern aber am eisigen Berg Caradhras und nehmen den Weg durch die unheimlichen Minen von Moria. Dort stürzt Gandalf bei dem Kampf mit einem Balrog in einen Abgrund, und Aragorn übernimmt die Führung. Im Land Lothlórien ruhen sich die Freunde aus, um dann gestärkt weiter entlang des Anduinstroms bis zu den Raurosfällen zu reisen, während sie die ganze Zeit von Gollum, jenem Wesen, dem Bilbo einst den Ring stahl, verfolgt werden. Hier trennen sich die schicksalhaften Wege der Gefährten, denn als Boromir sich mit Gewalt den Ring beschaffen will, entscheidet sich Frodo, allein weiter zu reisen. Einzig sein treuer Freund Sam schließt sich in letzter Sekunde seinem Herrn an. Zu zweit machen sie sich auf den Weg nach Mordor.
Credits
Originaltitel: The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring
Eine der wohl schwierigsten Aufgaben, die
man als Filmemacher haben kann, ist die
Umsetzung einer bekannten Geschichte oder
deren Fortsetzung. Es gibt immer Fans, die
sich etwas anders erwartet hatten (Beispiel:
"Star Wars - Episode One") oder die einfach
alles anders gelesen hatten (Beispiel: Harry
Potter). Wenn dann nun der Film jahrelang in
Produktion bleibt, baut sich ein
Erwartungsdruck auf, dem kein filmisches
Werk standhalten kann. Peter Jackson hat es
deshalb mit seiner Verfilmung des größten
aller Fantasy-Klassiker, "Der Herr der Ringe",
dementsprechend schwer. Das Ergebnis ist
anders, als man es hätte erwarten können,
und dabei auf seine ganz eigene Art sogar
besser!
Wenn es darum geht, die Klassiker des
Fantasy-Films aufzuzählen, dann wird es noch
enger als schon bei der Literatur, wo neben
ein paar absoluten Lichtblicken viel Schund
die Regale verstopft. Vielleicht sind es sogar
nur die "Star Wars"-Filme, die neben ein paar
Ritter- oder Samurai-Filmen für diese nötige
Atmosphäre sorgten, die irgendwo zwischen
Mythos und Magie schwebt. Nun gibt es schon
einmal einen weiteren Namen zu nennen:
"Der Herr der Ringe - Die Gefährten".
Mit welch unglaublichen Vermögen Jackson
hier den klassischen Stoff filmisch aufbereitet
(und dabei sogar mit Elementen der
Hintergrundgeschichten von J.R.R. Tolkien
verbindet), ist mehr als beeindruckend. Um
zum Beispiel gerade der Vorgeschichte Herr
zu werden, die die "Unverfilmbarkeit" des
Stoffes ausmachte, setzt er auf Mittel, die
sonst eher im Avantgarde-Bereich des Kinos
zu finden sind. Er spannt keinen normalen
Spannungsbogen, sondern nutzt
Assoziationsnetze, indem er fast
archetypische Bilder einsetzt, die erst der
Zuschauer selbst in seinem Kopf zu einem
Gesamten zusammensetzt. Was sich dabei
ergibt, ist eines der interessantesten
Filmerlebnisse seit langem. Denn eigentlich
funktionieren solche Assoziationsnetze nur
auf einer intellektuellen Ebene. Jackson
schafft es aber durch die schiere Brillanz
seiner Bilder und immer wieder in den
Szenen aufblitzenden klassischen, ja fast
schon archetypisch-epischen Erzählmustern,
die pure Emotion hervorzurufen. Vor allem die
Musik von Howard Shore arbeitet sehr viel
darauf hin. Sie unterstützt nicht nur, sie baut
ganz eigene emotionale Muster auf. Erst im
letzten Akt, als sich auch die Erzählstruktur
wieder klassischen Spannungsbögen
widmet, passt sich dieses zu einem extrem
aufregenden Filmerlebnis zusammen. Denn
die Teile, welche als Assoziationsmuster
dargestellt wurden, bleiben als Traum im Kopf
haften und werden besser, je länger man sich
mit diesen Eindrücken beschäftigt. Kleine
Eigenheiten, wie die immer wieder aus den
Felsformationen herausstechende greifende
Hand, die sich den Hobbits zu nähern scheint,
verstärken diesen Eindruck. Insgesamt kann
man sagen, dass diese Bilder schon jetzt
Kinogeschichte schreiben, allein schon wie
sie mit den ältesten Kameratricks und den
neuesten Computergrafiken als eine Einheit
die Welt Mittelerde zum Leben erwecken.
Nachteil ist dabei, dass trotz brillanter Bilder,
genialer Musik und einem herausragenden
Casting (allen voran der weise Gandalf und
die wunderschöne Galandriel) für die harten
Fans ein bitterer Nachgeschmack bleiben
könnte. Solch eine klassisch-filmische
Erzählweise und die daraus folgende
Interpretation des Stoffes, die vieles wegläßt
und das Gezeigte wiederum anders anordnet
als im Buch, mag niemand vorausgesehen
haben. Manche werden wohl dem
nachtrauern, was sie sich zuerst in ihrem Kopf
vorgestellt haben.
Aber mir als ausgesprochener Fantasy-Fan
hat der Film herausragend gefallen. Selten
habe ich mit solchem Staunen und einfacher
emotionaler Überschwenglichkeit im Kino
gesessen, selten wollte ich trotz 180 Minuten
nicht mehr aus dem Kinosessel aufstehen.
Freunde des Buches, die gerne eine andere
(sehr gute und eigene) Interpretation des
Tolkien-Klassikers zulassen, werden
begeistert sein, ebenso wie diejenigen, die
das Buch nicht gelesen haben (dies aber
noch nachholen sollten!). Das, was aber am
meisten erstaunt und mich nachdenklich und
mit Freude zurückläßt, ist nur ein Gedanke:
Dies war erst der Anfang...