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James Bond 007: Die Welt ist nicht genug
James Bond 007: Die Welt ist nicht genug
© United International Pictures

Kritik: James Bond 007: Die Welt ist nicht genug (1999)


Die Anzahl der Bond-Fans, auch unter ernstzunehmenden Cinéasten, ist ungebrochen hoch. Bei den letzten "Einsätzen" schwankten die Besucherzahlen zwischen 4 und 5 Mio. Das darf durchaus an dieser Stelle auch einmal erstaunen. Immerhin sind die Bond-Filme geradezu die Prototypen von reinen Produzentenfilmen, das heißt Auftragsarbeiten mit mehr oder weniger willkürlich zusammengestelltem Personal vor und hinter der Kamera. Die Geschichten sind weitgehend spannungsfrei, da meist (mit geringen Varianten) identisch und somit voraussehbar.
Die exotischen Schauplätze werden in jeden Touristik-Werbefilm stimmiger in Szene gesetzt, und die Actionsequenzen sind bei Bond stets erstaunlich hausbacken. Im Schnitt alle 20 Minuten (im Film ein Akt bzw. eine Rolle) wird ein aufwendig gestalteter Set dramaturgisch abgefeiert und am Ende in die Luft gejagt. Längst ist auch die augenzwinkernde Ironie auf der Strecke geblieben. Im Grunde genommen gehört das Publikum beschimpft, dass es sich derart lieb- und seelenlose Unterhaltungsware andrehen lässt. Aber es ist nunmal wie es ist, und der Erfolg gibt den Produzenten leider recht. Das wird sich auch mit dem 19. Wiederkäuen von Schema F kaum ändern.
Dabei konnte man im Vorfeld von "Die Welt ist nicht genug" durchaus einen zaghaften Kurswechsel der Serie erwarten. Immerhin wurde mit Michael Apted ein Regisseur engagiert, der mit Filmen wie "Gorillas im Nebel" oder auch "Nell" sein Gespür für große Kino-Emotionen unter Beweis gestellt hat. Auch spricht die Liste der "Nebendarsteller" (Robert Carlyle, Sophie Marceau, Denis Richards, Robbie Coltrane, John Cleese) eigentlich gegen dumpfbackiges Krawallkino.
Aber dann hat die Produzenten wohl ganz schnell der Mut verlassen, und alles spult sich ab wie gehabt. Die Story ist merkwürdig kompliziert, ohne allerdings auch nur ansatzweise originell zu sein. Irgendwie geht es darum, eine gewisse Elektra, Tochter eines ermordeten Ölmagnaten, vor internationalen Terroristen zu schützen. Deren Anführer, der nihilistische Finsterling Renard, ist mit einem kuriosen Makel behaftet. Aufgrund einer nicht wegzuoperierenden Kugel im zentralen Nervensystem ist er vollkommen schmerzunempfindlich. Eigentlich eine nette Idee, aus der man feine Gags hätte gewinnen können, die jedoch völlig verschenkt wird. Auch die politischen Implikationen des Films sind bemüht aktuell (Grenz- und Ökologiekonflikte in der ehemaligen Sowjetunion rund ums Kaspische Meer), dienen jedoch allein der vordergründigen Staffage, um die konfuse Geschichte voranzutreiben.
Diese ist wie üblich durchzogen von endlosen Ballereien mit automatischem Füsiliergerät. Merkwürdig, dass die zynischen Bond-Schießereien die feuilletonistische "Zensur" regelmäßig anstandslos passieren, während ein überaus vielschichtiger Film wie "Fight Club", der mit seinem Gewaltpotential absolut reflexiv umgeht, dem Vorwurf der Gewaltverherrlichung ausgesetzt wird. Absurd und ärgerlich sowas, aber keinesfalls untypisch für den Stand der Diskussion um Gewalt in den Medien hierzulande.




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