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Moulin Rouge - Plakat
Moulin Rouge - Plakat
© 20th Century Fox

Kritik: Moulin Rouge (2001)


Wer auf actiongeladene Musicals steht, der wird "Moulin Rouge" lieben. Wer nicht, der hat ein neues Hassobjekt. Gleich in einer ersten Sequenz wird es klar: In atemberaubenden Bildern lässt "Moulin Rouge" sowohl Gemälde, als auch Fotos aus der Zeit um 1900 wiederauferstehen und fliegt regelrecht mit der Kamera durch seinen Set, der die Besonderheiten eines romantisierten Paris auf Breitwandgröße zusammenpfercht. Hier ist nichts real, dies ist ein imposantes, riesiges Bühnenbild, vor dem aber nicht nur Schauspieler, sondern auch der Regisseur Baz Luhrmann mit seiner Kamera agieren werden. Aber wie sie agieren! In einer Reizüberflutung erster Güte wird der Hauptspielort, das berühmte und namensgebende "Moulin Rouge", in einer extrem hochstilisierten Version eingeführt. Die Kamera jagt mit Zooms und Reißschwenks durch die Szenerie, während der Schnitt zu Höchstgeschwindigkeit aufläuft. Mich erstaunt noch immer, dass ich nicht den Überblick oder die Lust daran verloren habe. Der Ton ändert sich aber schnell wieder: Nach dieser für manche vielleicht etwas zu überdrehten Sequenz beginnt sich die zentrale Liebesgeschichte anzubahnen, nun stehen Ewan McGregor und Nicole Kidman im Mittelpunkt. Ihr Auftreten erinnert sehr stark an die großen Stummfilme. Der gute Ewan verzehrt sich mit jedem Blick mehr nach der holden Weiblichkeit, sein Traum von der Liebe wird in der Traumwelt des Baz Luhrmann überstilisiert und in jeder Hinsicht gefestigt. Die Kidman wird dagegen zur großen Diva, zur Königin der Leinwand. In dieser Kunstwelt müssen solche Figuren einfach in Gesang ausbrechen, es gehört sich so, denn sonst könnte rein gar nichts ihren Gefühlen auch nur ansatzweise Ausdruck verleihen. So wie Fred Astaire plötzlich aus dem Stolpern ins Tanzen übergehen musste, so gibt es auch hier keinen Ausweg, als dass Ewan McGregor vom Balkon des "Moulin Rouge" aus auf den Eiffelturm springt, um im Schwingen seiner großen Liebe Ausdruck zu verleihen. Natürlich muss Luhrmann hier nun auch eine gehörige Portion Shakespeare nachlegen, um seinen Zuschauern auch noch den Rest zu geben. Distanziertes Sitzenbleiben ist verboten. Hier wird geschwelgt, gelacht, getanzt und alles Böse aus den Herzen entfernt, Punkt! Kernstück dieses Musicals, wie bei jedem anderen, ist die Zusammenstellung der Songs. Es ist eine Mischung aus Klassikern der Rock- und Popmusik, mal in der wilden Mischung zusammengeworfen, mal alleine oder in Kern-Textzeilen vollkommen geändert. Diese Mischung aus Wiedererkennen und vollkommen verändert Neuhören macht sehr viel des Spaßes bei "Moulin Rouge" aus. Die Songs wirken, als hätten Richard Wagner, Andrew Lloyd-Webber, Fat Boy Slim und Freddie Mercury am runden Tisch zusammengearbeitet. Aber was konnte man bei Baz Luhrmann, einem Meister der Filmtechnik und der Musik im Film, Anderes erwarten? Wer nun nur ansatzweise Lust am Film gewonnen hat, der sollte sich sofort ins Kino begeben (kaum ein Film wird auf DVD oder gar Video so stark verlieren). Jeder andere sei gewarnt: "Moulin Rouge" versucht erst gar nicht, dem Griesgram oder einem nicht an Musicals Interessierten etwas zu bieten. Er verschreibt sich mit ganzer Seele dem Genre und baut einen regelrechten Orkan auf, um seine Zuschauer mitzureißen. Mich hat es voll erwischt, aber ich bin dafür auch "anfällig". Sie auch?





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