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Kritik: Der Schneider von Panama (2000)


"Nichts ist so, wie es scheint" könnte das Motto dieses Films lauten, der sich nur schlecht in ein Genre einordnen lässt. Man könnte ihn als gelungene Mischung aus Spionagethriller, Gesellschaftssatire, Komödie und Drama bezeichnen. Ein zweitklassiger britischer Agent wird nach Panama strafversetzt (Pierce Brosnan ist hier perfekt gegen den Strich besetzt und persifliert sein eigenes James-Bond-Image). Dort wirbt er mittels Erpressung den Schneider Harry Pendel, gespielt von Oscar-Preisträger Geoffrey Rush, für seine Dienste an. Denn dieser hat durch seinen Beruf Kontakt zu allen einflussreichen Persönlichkeiten Panamas. Ein erfolgreicher Schneider weiß seinen Kunden zu schmeicheln. Harry lebt nach dem Motto seines Onkels: "Wer die Wahrheit sagt, fliegt früher oder später damit auf." Und so bedient er den britischen Geheimdienst genauso wie seine Kundschaft: Mit einer erfundenen Geschichte um eine angebliche stille Opposition und dem Verkauf des Panamakanals an China. Es entwickelt sich eine Spionagegeschichte, in welcher jeder jeden betrügt. Durch Fahrlässigkeit, Gier und blinde Ideologie wird aus einem Märchen plötzlich Realität. Zunächst kann man sich wunderbar amüsieren, doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, als aus einer Posse plötzlich blutiger Ernst wird. "Der Schneider von Panama" ist eine Parabel über den Umgang mit der Wahrheit. Die Bilder entlarven hierbei das gesprochene Wort und führen es oftmals auf ironische Weise ad absurdum. Sie ermöglichen es dem Zuschauer, Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Auch zeigen sie die Schönheit Panamas, ohne dabei Folter oder Unterdrückung zu verschweigen. Regisseur John Boorman gelingt es, vor dem Hintergrund der sozialen Realität Mittelamerikas, auf humorvolle Weise die Verstrickung der Geheimdienste in Politik und Korruption aufzudecken. Das intelligente Drehbuch von John le Carre bildet mit brillianten Dialogen die Grundlage für zwei Stunden spannende und zugleich anspruchsvolle Kinounterhaltung.




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