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Spider-Man
Spider-Man
© Columbia TriStar

Kritik: Spider-Man (2002)


Als High School-Schüler in New York kämpft der schüchterne Peter Parker gegen Akne und Klassenrabauken, als Spider-Man gegen mächtige Bösewichter. Das Erfolgsrezept des Marvel-Gotts Stan Lee, einen stinknormalen Teenager als Superhelden darzustellen, geht seit 40 Jahren auf: 1962 kam das erste Comic-Abenteuer mit dem Spinnenmann heraus. Für den genre-erprobten Filmemacher Sam Raimi ("Armee der Finsternis"), der das Megaprojekt für Columbia Pictures auf die Leinwand brachte, war die große Fangemeinde zunächst eine Last. Es galt, den Stoff fürs 21. Jahrhundert und ein breites Publikum zu aktualisieren, ohne dabei die Kenner zu vergrätzen. Und natürlich war viel Geld im Spiel: Mit Produktionskosten von über 100 Millionen Dollar sollte man sich besser keinen Kassenflop erlauben. Zwei Jahre lang nahm sich Raimi deshalb Zeit: Erst die Dreharbeiten vor Ort in New York und in den Sony-Studios in Culver City, dann die aufwendige Nachbearbeitung. "Spider-Man" ist Sam Raimis Baby - ein geliebtes Kind und außerdem ein Traum, der in Erfüllung ging. "Ich habe Spider-Man bereits als Junge gern gehabt", sagte der Regisseur bei Produktionsbeginn. Doch im Februar 2002, knapp drei Monate vor der US-Premiere, wurde der Filmemacher von der Post-Production eingeholt: Schnitt, Ton, Musik, Spezialeffekte - das zehrte an Raimis Nerven. Wenn "Spider-Man" sein Baby ist, dann ist die Nachbearbeitung das Windeln wechseln. It stinks! Der Mühe Lohn ist ein gelungener Film: Raimis "Spider-Man" ist die wohl beste Comic-Adaption, die man im Kino bisher sehen durfte. Das liegt weniger an den Spezialeffekten, Explosionen oder virtuellen Kamerafahrten durch die Straßenschluchten von New York. Auch nicht am Bösewicht Green Goblin (Willem Dafoe), der in seinem gesichtslosen Kostüm wie ein mutierter Power-Ranger wirkt. Im Gegenteil: Die eigentliche Attraktion von "Spider-Man" sind seine menschlichen, verletzlichen Figuren. Wenn Klassenkaspar Peter Parker in der Schule um die Anerkennung seiner Kameraden ringt, wenn er es jahrelang nicht fertig bringt, seiner Liebe MJ (Kirsten Dunst) seine wahren Gefühle mitzuteilen, dann zeigt sich eben hier Raimis Fertigkeit, dreidimensionale Filmfiguren zu kreieren. Auch wenn sie einer Comic-Welt entstammen: Raimi nimmt seine Figuren ernst. Die erste Hälfte des zwei Stunden langen Films ist deshalb auch die bessere: Da mutiert der Schüler Peter Parker nach dem Spinnenbiss zum Superhelden wider Willen, entdeckt und meistert seine neuen Fähigkeiten. Tobey Maguire ist für diese Rolle die perfekte Wahl: Wie kein anderer verkörpert er den schüchternen Teenager, der seinen Platz im Leben erst noch finden muss. Raimis "Spider-Man", darüber herrschte schon vor dem US-Start am 3. Mai Einigkeit, ist eine sichere Bank - zwei Fortsetzungen gelten daher als beschlossene Sache. Im Nachhinein sind eben immer alle schlauer, doch vor dem Drehstart schmorte das Projekt mehrere Jahre lang in Hollywoods Entwicklungshölle. Von James Cameron, der das erste so genannte Scriptment schrieb, bis zu David Koepps letzter Drehbuchfassung, durchlief der Plot zahlreiche Variationen. Spideys Gegenspieler hießen dabei zwischenzeitlich Sandman und Electro, am Ende aber kürte Sam Raimi den Green Goblin zur mächtigen Nemesis des jungen Helden. Dieser Bösewicht kennt nicht nur Spider-Mans wahre Identität, er pflegt über den von James Franco gespielten Sohn auch ein nahezu väterliches Verhältnis zu Peter Parker. Sam Raimis "Spider-Man" ist also letztlich ein gelungenes Familiendrama. Aber mit vielen Explosionen.





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