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Arnold Schwarzenegger in 'Terminator 3 - Rebellion...inen'
Arnold Schwarzenegger in 'Terminator 3 - Rebellion der Maschinen'
© Columbia TriStar

Kritik: Terminator 3 - Rebellion der Maschinen (2003)


Maschinen haben keine Seele Auch wenn er fast so teuer wie "Titanic" war, wird "Terminator 3" wohl bald wieder vergessen sein. Nach der Devise "Bloß kein Risiko" folgt der von Jonathan Mostow ohne James Camerons Beteiligung inszenierte dritte Teil des Kampfes Mensch gegen Maschine traumwandlerisch den ausgetretenen Pfaden seiner Vorbilder. Das Ergebnis ist noch größer, lauter und bombastischer - und nimmt sich dabei selber nicht so ernst. Ausnahmeregisseur James Cameron wusste, wovon er sprach, als er nach "Terminator 2" verkündete, die Story sei für ihn nun abgeschlossen - und überhaupt: Mehr fiele ihm zu dem Thema ohnehin nicht ein. Also versenkte Cameron lieber die "Titanic", zumal ihm das "Terminator"-Franchise nach der spektakulären Pleite der Produktionsfirma Carolco Pictures ("Rambo") Mitte der 90er-Jahre aus der Hand genommen worden war. Denn Carolco-Gründer und "T2"-Produzent Andrew Vajna hatte die Rechte für 7,5 Millionen Dollar aus der Konkursmasse zurückgekauft und sich wieder mit seinem früheren Partner Mario Kassar zusammengetan. Mit der Rekordgage von 30 Millionen Dollar köderten die beiden Arnold Schwarzenegger und holten mit Jonathan Mostow ("U-571") einen jungen Regisseur an Bord, der handwerklich versiert und trotzdem leicht zu kontrollieren war. Die Story für die knapp 200 Millionen Dollar teure Fortsetzung lieferten John Brancato und Michael Ferris ("The Game") - doch auch ihnen ist zum dritten Teil der Saga nicht viel Neues eingefallen. "T3" ist eher eine Art Remake von "Terminator 2" geworden - mit noch mehr Action, noch gewaltigeren Explosionen, einem Schuss postmoderner Ironie ("She'll be back") sowie (im englischsprachigen Original) wohl nicht immer ganz freiwilliger Arnie-Komik. Zehn Jahre nachdem der junge John Connor in "Terminator 2" mit Hilfe seiner kampfstarken Erzeugerin den nuklearen Holocaust verhindert hat, steht die Welt in "Terminator 3" erneut am Abgrund: Skynet, ein von Menschenhand geschaffenes Computernetz des Militärs, übernimmt mit Hilfe eines Supervirus die Kontrolle über die US-Atomraketen. Das Ziel der künstlichen Intelligenz: die Menschheit auszurotten und die Macht zu übernehmen. Im Weg steht den Maschinen dabei wieder der inzwischen 22 Jahre alte John (Nick Stahl), der nach dem Krebstod seiner Mutter ein ärmliches Dasein am Rand der Gesellschaft führt - ohne Adresse, festen Job, Kreditkarten und Telefon. Skynet schickt einen neuartigen Super-Terminator (Kristanna Loken) aus der Zukunft nach Los Angeles, um drei Stunden vor dem Armageddon nicht nur Connor, sondern auch seine zukünftige Freundin Kate (Claire Danes), eine harmlose Tierärztin, zu eliminieren. Der neue Killer-Cyborg hat ein attraktives Chassis, ist stärker und gefährlicher als das Vorgängermodell T-1000 und nutzt eiskalt die Waffen einer Frau. Connors einziger Verbündeter ist ein Terminator alter Bauart (Arnold Schwarzenegger), der seinem weiblichen Pendant T-X hoffnungslos unterlegen ist.
Alles wie gehabt
Es hätte schlimmer kommen können: "Terminator 3" ist ein solider "Ahktschn"-Reißer mit bekannten Charakteren und ein paar neuen Personalien: Camerons Ex-Frau Linda Hamilton wollte (aus Protest gegen die Produzenten) nicht mehr John Connors Mami spielen und fiel im Skript deshalb der Leukämie zum Opfer. Anders Edward Furlong: Der junge John aus "Terminator 2" mochte zwar gerne, durfte jedoch für den dritten Teil nicht wieder in die Rolle seines Lebens schlüpfen. Furlong hat ein paar Drogenprobleme, und dieses Risiko wollte in Hollywood keine Versicherung übernehmen. Der Jungschauspieler wurde deshalb durch Nick Stahl ("In the Bedroom") ersetzt. Macht nichts: Letztendlich dreht sich "Terminator 3" um Arnold Schwarzenegger (55), der sich körperlich erstaunlich gut gehalten hat, dialogtechnisch jedoch manchmal den schmalen Grat zur unfreiwilligen Komik überschreitet. Denn während es James Cameron in seinen Filmen stets gelang, Schwarzeneggers Schwächen zu kaschieren und seine Stärken buchstäblich zu kultivieren, hatte Mostow den selbst bewussten Megastar offenbar nicht so gut im Griff - oder ließ ihn ins offene Messer laufen. Camerons "Terminator"-Filme haben Maßstäbe gesetzt und gelten längst als Klassiker. Sie wurden oft kopiert, noch häufiger zitiert und sind erstaunlich gut gealtert - und das nicht wegen ihrer visuellen Wunder, sondern dank der ausgefeilten Story, der perfekten Inszenierung und dem Talent des Regisseurs, trotz irrwitziger Materialschlachten stets die menschlichen Aspekte der Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Cameron ist der seltene Glücksfall eines Blockbuster-Autorenfilmers, der seine Megaprojekte selber schreibt und produziert - ein Geschichtenerzähler und Kontroll-Freak mit den allerhöchsten Ansprüchen, der seine Crew oft zur Verzweiflung treibt. "Pushing the Limits" nennt man das, und diese Besessenheit beim Dreh spiegelt sich später auf der Leinwand wider. Jonathon Mostow bäckt in "Terminator 3" trotz der fast unbegrenzten finanziellen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, kleinere Brötchen. Zwar ist der Streifen isoliert betrachtet ein gelungenes, wenn auch wenig innovatives Stück Unterhaltung mit sämtlichen Zutaten eines Sommerhits. Im direkten Vergleich mit seinen beiden Vorgängern ist "T3" jedoch nur eine respektvolle Hommage ohne den Mut zum Risiko. Kurzum: Alles wie gehabt, bloß eine Nummer größer und mit einem Augenzwinkern. Und so sieht man angesichts von packenden Verfolgungsjagden, kecken Witzchen und enormen Feuerbällen gleichmütig dem Untergang der Welt entgegen - und über das eigentliche Defizit des Films hinweg: "Terminator 3" hat keine Seele.




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