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Harry Potter und der Halbblutprinz - Poster
Harry Potter und der Halbblutprinz - Poster

Kritik: Harry Potter und der Halbblutprinz (2009)


Bevor David Yates die zwangsläufig düsteren letzten Teile ins Kino bringt, wird es zum Anfang vom Ende der Harry Potter-Saga plötzlich überraschend hell: Im Gegensatz zur Buchvorlage ist die imminente Bedrohung, die seit Voldemorts Wiederauferstehung über der Harry Potter-Welt liegt, nur in wenigen Szenen zu spüren. Dafür konzentriert sich die Handlung sehr auf die vorwiegend komisch erzählten Liebeswirren zwischen den Protagonisten, was dem Spannungsaufbau nicht immer gut tut, zudem nicht jeder Witz – und die gibt es zuhauf – zündet. Ansonsten ist fast alles wie gehabt: Wenn man die Buchvorlage, sowie alle vorherigen Bücher nicht kennt, ist die Story nicht wirklich plausibel. Aber zumindest eine faszinierend gefilmte Ausstattungsparty, mit einigen spannenden Szenen.
Auch bei den Schauspielern hat sich nicht viel getan. Rupert Grint darf immerhin zeigen, wie komisch er sein kann. Daniel Radcliffes darstellerische Leistung ist wie immer gerade mal adäquat und könnte noch viel besser sein, wenn er sich das selbstzufriedene Lächeln abgewöhnen würde. Emma Watson bemüht sich sehr um eine emotionalere Hermine – aber leider oft zu offensichtlich. Vorwerfen kann man es den drei Stars allerdings nur bedingt: Schließlich zeigten sie in "Der Gefangene von Azkaban", was sie können, wenn ein Regisseur sie nur zu fordern vermag. In "Der Halbblutprinz" ragt dafür der im Vergleich zu den anderen plötzlich viel erwachsenere Tom Felton als Draco heraus, dem man im Gegensatz zum Buch mehr bei der Ausführung seines perfiden Planes beobachten darf. Wirklich perfekt besetzt ist Jim Broadbent: Er verleiht Professor Slughorn in nur wenigen Szenen sogar mehr Leben, als die Bücher. Und wie immer taucht die crème de la crème der britischen Darsteller in Fußnoten auf, wobei Alan Rickman und Helena Bonham Carter mit gewohnter Nonchalance als Oberschurken entzücken.
Wirklich positive Überraschungen sind eine im Buch nicht vorhandene, aber atmosphärisch geladene und mit spannender Kameraführung erzählte Verfolgungsjagd, sowie die bisher besten Quidditchszenen – wobei diese zugegebenermaßen dann wieder den Erzählfluss hemmen. Dieser konzentriert sich, wie eingangs schon erwähnt, zu sehr auf die Beziehungsprobleme der Teenager, anstatt auf die Offenlegung von Voldemorts Vergangenheit, die sicherlich in den ersten der beiden letzten Teile verschoben wird.
Ob der ständige Einsatz von Windmaschinen und Weichzeichnerfiltern für die Atmosphäre nötig ist, sei ebenfalls dahingestellt. Besonders problematisch ist beim Halbblutprinz außerdem die schiefe Relation von Special Effects und wirklichen Effekten: Death Eater vandalisieren London – scheinbar ohne Folgen. Harry tötet fast aus Versehen einen Mitschüler – und kommt scheinbar ungestraft davon. Die Weasleys werden von einer (im Buch nicht vorkommenden) Katastrophe getroffen – egal. Wenn Yates das alles noch zuende erzählen will, braucht er vermutlich mehr als zwei weitere Filme… ganz zu schweigen von dem, was für die Handlung des nächsten Teils an relevanten Dingen noch nicht in "Der Halbblutprinz" erzählt wurde.
Fazit: Wer die anderen Teile toll fand, wird auch "Der Halbblutprinz" mögen, denn im Wesentlichen bleibt alles beim Alten – wenn auch mit zusätzlichem humorigem Hormonspektakel, was zum Teil tatsächlich amüsiert. Im Vergleich zu den Vorgängern ist der Ton weit weniger düster, was vermutlich als Atempause für den zweiteiligen Showdown gedacht ist, der mit Sicherheit einen Teil der (Roman-) Handlung aus "Der Halbblutprinz" übernimmt. Wie immer ist der Film außerdem all jenen, welche die Bücher immer noch nicht gelesen haben, absolut nicht zu empfehlen; zumal viele Auslassungen das Verständnis für die Handlung noch zusätzlich erschweren.




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