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Huntsman Teaserplakat - Schneewittchen und der Jäger
Huntsman Teaserplakat - Schneewittchen und der Jäger
© Universal Pictures Germany

Kritik: Snow White & the Huntsman (2012)


Märchen, Mythen und Legenden, zählen zur menschlichen Überlieferung, seit unsere Vorfahren sich das erste Mal am nächtlichen Feuer gegenseitig Geschichten erzählten. Einige überdauerten und wurden fester Bestandteil unserer Kultur. Seit die Bilder laufen lernten, bedienen sich nun aus diesem reichen Menschheitsschatz die Filmemacher.

Gerade Märchen bilden aber eine diffizile Angelegenheit. Obwohl sie eine naive Komponente enthalten, die sie über die Generationen ein ums andere Mal in die Kinder- und Jugendecke verschob, sind sie im Kern sehr düstere Erzählungen. Diesem Umstand trägt die aktuelle Verfilmung "Snow White and the Huntsman" Rechnung, die eine Gothic-look-alike Vision vom bekannten Märchen "Schneewittchen und die sieben Zwerge" aus der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu liefern versucht.

Die Verfilmung von Regisseur Rupert Sanders, hält sich nur in Grundzügen an die Grimm’sche Vorlage; dramaturgisch erscheint das grundsätzlich nicht verkehrt, möchte man eine moderne, mitreißende Fassung aus dem Stoff generieren. Leider scheitert das Vorhaben allerdings schon im Ansatz, da es dem Film durchweg an einem stimmigen epischen Bogen mangelt. Um das zum kompensieren, wurde sich ungeniert bei anderen Gesichten und wohl etablierten cineastischen Motiven bedient.
Zuweilen entsteht daraus der Eindruck, als sei regelrecht mit der Brechstange versucht worden, Elemente wie man sie aus "Der Herr der Ringe – Die Gefährten" oder "Jeanne d'Arc" kennt, sinnig zu einem größeren Ganzen zu verschmelzen. Die erzählerische Dichte bleibt dabei ebenso auf der Strecke wie das eigentlich unabdingbare märchenhafte Flair. Nur in wenigen Augenblicken gelingt es überhaupt, einen Hauch der Stimmung zu erzeugen, wie sie prinzipiell wünschenswert gewesen wäre um den Film zu tragen. Doch auch diese seltenen atmosphärischen Lichtblicke verlieren sich ihrerseits in disneyhaft verkitschten Szenen, die angesichts des grundsätzlichen Charakters des Films – der betont auf düster und erwachsen macht – s Lächerliche abdriften.

Insgesamt ist das bedauernswert, denn "Snow White and the Huntsman" ist eine ambitionierte Produktion, die visuell mit gewinnenden Moment aufwartet und mit Charlize Theron als böse Königin und Kristen Stewart als Schneewittchen glänzen will. Wobei die Idee, diese beiden als Antagonistinnen zu besetzen, einer gewissen Komik nicht entbehrt. Beinahe in der Art, als hätte man Muhammad Ali in seinen besten Tagen einen aufstrebenden Mittelgewichtler in einem Titelkampf vorgesetzt.

Hollywood-Superstar Theron scheint in ihrer Rolle jedoch auch nicht anzukommen. Sie zetert, flucht und kreischt als böse Königin, was das Zeug hält, Gänsehautfeeling kommt dabei aber nicht auf. Noch lahmer die Versuche Stewarts, die gegen Ende in die Rolle der Rächerin schlüpft und wild das Schwert schwingen darf, ihre Gefolgsleute auf sich einzuschwören. So wundert es nicht, wenn alle ein verdutztes Gesicht machen und sich fragen, warum sie dem kleinen Mädchen in den wahrscheinlichen Tod folgen sollen. Sätze wie: "Lieber sterbe ich heute, als weiter diesen Tod zu leben!", geben dem Ganzen dann noch den Rest.

Chris Hemsworth, der aus "Thor" kommend lediglich den Hammer zur Seite legen musste, um zur Axt zu greifen, gibt hingegen allein schon wegen seiner physischen Präsenz einen hervorragenden brachialen Metzler ab. Und wenigstens ein wenig gute Stimmung kommt auf, wenn die Zwerge, die allesamt aus digital geschrumpften normalgroßen Darstellern bestehen, wie Ray Winstone oder Bob Hoskins, ihren Auftritt feiern..

Fazit: Ein paar schöne Bilder und bekannte Schauspieler, die sich zwar mühen, das Versatzstückwerk aber nicht zu retten vermögen, das bietet die Adaption des klassischen Märchens "Schneewittchen und die Sieben Zwerge". Trotz Gothik-Optik packt der Film nie zu, der Erzählfluss holpert und Stimmung wie Tempo gehen den Bach hinunter. Dafür ist man wiederholt in einem anderen Film. Leider nie im richtigen.




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