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Boyhood
Boyhood
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Boyhood (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Richard Linklaters "Boyhood" ist ein Mammutprojekt, das über einen Zeitraum von 12 Jahren hinweg entstand. An insgesamt nur 39 Drehtagen drehte Linklater gemeinsam mit seinen vier Hauptdarstellern jeden Sommer ein paar neue Szenen des Films. Das Ergebnis zeugt vom einem immensen Willen des Filmemachers und ist eine logistische Meisterleistung. Doch wie zahlreiche Hollywood-Blockbuster immer wieder eindrücklich vorführen, ist ein beeindruckender Aufwand alleine noch lange kein Garant für einen beeindruckenden Film. Bei der diesjährigen 64. Berlinale wurde "Boyhood" schnell als unantastbarer Favorit gehandelt. Umso mutiger und überraschender war die Entscheidung der Jury den Goldenen Bären stattdessen an den kleinen China-Thriller "Feuerwerk am helllichten Tage" zu vergeben. Beide Filme sind betont unprätentiös. Doch während "Feuerwerk am helllichten Tage" ein sehr atmosphärisches Neo-Noir-Juwel ist, wirkt Linklaters "Boyhood" bei allem Kraftaufwand und allem gutem Willen oft schlicht banal.

"Boyhood" will keine große Hollywoodsaga voller dramatischer Höhepunkte und einprägsamer Aha-Momente sein. Stattdessen zeigt der Film das recht durchschnittliche Leben einer recht durchschnittlichen Familie. Doch als betont Liberale und dezent intellektuelle Schöngeister inmitten von erzkonservativen texanischen Rednecks birgt diese Familie zugleich ein erhöhtes Identifikationspotential. In seinen besten Momenten ist "Boyhood" voller Zärtlichkeit für seine Figuren und voll von einer Poesie, die in den einfachen Dingen des Alltags liegt. Gelungen ist auch die betonte Beiläufigkeit, mit der entscheidende Momente oft so unspektakulär vorüberziehen, wie im richtigen Leben. Denn eine tiefere Bedeutung erhalten die meisten Dinge erst im zeitlichen Rückblick. Das Leben selbst fließt jedoch ganz ruhig von Augenblick zu Augenblick. Diesen Augenblick ganz bewusst zu erleben ist die so schöne, wie schlichte Botschaft des Films. Aber es gibt auch Störfaktoren, wie die oft unpassende und aufgesetzt wirkende Musik. Wie auch die zahlreichen wechselnden technischen Gimmicks ist diese Musik ein überdeutlicher Zeitmarker, der die betonte Lässigkeit des Films oft recht gewollt erscheinen lässt.

Fazit: "Boyhood" ist beeindruckend, berührend - und banal.




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