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Kritik: Nymphomaniac Vol.1 (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass Lars von Trier nicht nur etwas vom Filmen versteht, sondern auch ziemlich bewandert in sachen PR ist, konnten Filmfreunde in den letzten Monaten beobachten: An der Werbekampagne zu von Triers "Nymphomaniac" war kein vorbeikommen. Und versprochen wurde da letztlich nichts anderes als die Mutter aller Skandale: Ein Hardcore-Porno mit diversen Hollywood-Stars.

Da von Trier es angeblich so unglaublich schwer fiel, sich von liebgewonnenen Szenen zu trennen, wurde "Nymphomaniac" schließlich in zwei Teile zerlegt und von den Cuttern ohne Beteiligung des Regisseurs auf akzeptable Laufzeit getrimmt. Der Filmemacher allerdings ließ es sich nicht nehmen, seine vorherige Langversion von "Nymphomaniac 1" als "Director's Cut"/respektive Festivalversion schon vor Filmstart auf der Berlinale zu präsentieren.

Und wie zu erwarten war, stellte sich dabei heraus, dass weder Langversion noch die gekürzte FSK-16 Fassung zu einem handfesten Skandal taugen. Ja, es gibt Sexszenen und selbst in der Kurzfassung bewegen die sich ziemlich hart an der Grenze zur Pornografie, während sie in der Langfassung eindeutig darüber hinaus gehen. Allerdings: Trotz mancher Hardcore-Szene ist "Nymphomaniac" selbst im Director's Cut keinesfalls ein wirklicher Porno. Genau so wenig ist der Film, der nach "Melancholia" und "Antichrist" als Abschluss von von Triers Triptychon über Depressionen gilt, ein trauriger, düsterer oder in irgendeiner Form anstrengender Film. Im Gegenteil: Er ist mit seinem hintergründigen, teilweise schwarzen, Humor überraschend heiter geraten. Verantwortlich für beides sind die recht skurilen Kommentare und Vergleiche Seligmans, die die oftmals sexuell aufgeladenen Erzählungen Joes unterbrechen. Da verknüpft Seligman Joes Erinnerung an ihre Entjungferung mit einer Erläuterung der Fibonacci-Folge, was später wiederum zu Bachs Orgelkompositionen und ehedem als "dämonisch" verunglimpften Akkorden führt. Und eine Erzählung über einen Sexwettbewerb um eine Tüte Bonbons, die sich die junge Joe mit ihrer besten Freundin lieferte, erinnert Seligman ans Fliegenfischen. Inszeniert ist das Ganze in eher ruhigen Bildern mit allerlei stilistischen Spielereien, wie Animationen, Split Screen, schwarz-weiß Szenen u.ä.. Außerdem enthält "Nymphomaniac" einige grandiose darstellerische Leistungen, wie etwa jene von Uma Thurman als hysterische verlassene Ehefrau, die mitsamt ihren drei Söhnen rachlüstern bei Joe auftaucht, um ihnen für eine spätere Therapie lohnenswerte Erfahrungen zu bescheren.

Fazit: Verspieltes, versponnenes sexuell explizites Drama, dass Lars von Trier-Fans mit seiner Leichtigkeit überraschen, und all jene enttäuschen wird, die auf die PR-Kampagne hereingefallen sind und einen handfesten Porno erwarten.





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