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The Expendables 3
The Expendables 3
© 20th Century Fox

Kritik: The Expendables 3 (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Als Gradmesser für filmische Qualität taugen Einspielergebnisse nur bedingt. Umso mehr sagen sie aus über die Vorlieben und das Interesse des Publikums. Erst recht im Fall einen Sequels. Wirft man einen Blick auf das erste Abschneiden von Sylvester Stallones Söldnerabenteuer "The Expendables 3" am heimischen Box Office ist eine merkliche Gleichgültigkeit gegenüber der betont rückständigen Actionreihe zu beobachten. Fuhr Teil eins am ersten Wochenende in den USA noch annähernd 35 Millionen Dollar ein, musste sich der zweite Film mit 28,6 Millionen Dollar begnügen. Der dritte Streifen kommt nun über enttäuschende 15,9 Millionen Dollar nicht hinaus, was freilich auch an der starken Konkurrenz durch "Teenage Mutant Ninja Turtles" und "Guardians of the Galaxy" liegt. Gleichzeitig drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass sich Stallones Old-School-Prämisse langsam, aber sicher abnutzt. Eine Vermutung, die der Film selbst bekräftigt, auch wenn er nicht unbedingt schlechter ist als seine beiden Vorgänger.

Wie üblich erwartet den Zuschauer gleich zu Beginn ein ausuferndes Actionfeuerwerk, das die kompromisslose Söldnertruppe rund um Barney Ross (Sylvester Stallone) umgehend ins rechte Licht rückt. Stallone, der erneut am Drehbuch mitschrieb, und Regisseur Patrick Hughes ("Red Hill") erlauben sich hier sogar einen doppelten Krawallauftakt. Nach der Befreiung des früheren Mitstreiters Doc (Wesley Snipes) brechen die Expendables zu ihrem nächsten bleihaltigen Einsatz auf, der im Hafen von Mogadischu allerdings in ein Fiasko mündet. Nicht nur, dass ein Mitglied des Teams lebensgefährlich verletzt wird, ihre Zielperson Conrad Stonebanks (Mel Gibson), ein Mitbegründer der Expendables, kann auch noch unbehelligt fliehen. CIA-Kontakt Drummer (Harrison Ford) will diesen Rückschlag nicht hinnehmen und pocht auf die Verfolgung des skrupellosen Kriegsverbrechers. Was Barney schließlich zu einer ungewöhnlichen Entscheidung zwingt: Ganz unerwartet wendet er sich von seinen alten Weggefährten ab und rekrutiert ein neues, junges Team, das er auf der Jagd nach Stonebanks bedenkenlos verheizen kann.

Grundsätzlich sind neue Impulse ein Segen für jede Fortsetzung. In "The Expendables 3" fallen die von Stallone und seinen Mitautoren ausgeheckten Auffrischungen jedoch eher störend aus. Angesichts der zahlreichen gefahrvollen Abenteuer, die Barney und seine Männer gemeinsam durchlebt haben, wirken seine plötzlichen Gewissensbisse und die Auflösung des Teams reichlich aufgesetzt. Das allein wäre eigentlich nicht weiter schlimm, wenn die Frischlinge (unter ihnen die Kampfsportlerin Ronda Rousey) zumindest etwas Eindruck hinterließen. Doch gerade hier scheitert der Actionfilm auf ganzer Linie. Weder sind die Rollen der technikaffinen Kämpfer sonderlich interessant ausgearbeitet. Noch reicht das Auftreten der Jungdarsteller an die Ausstrahlung der erfahrenen Actionmimen heran. Gleichwohl degradiert der Film Lee Christmas (Jason Statham) und Co für einige Zeit zu bloßen Statisten und sorgt damit für jede Menge Leerlauf.

Wie es scheint, war sich Stallone dieser Abschwächung durchaus bewusst, weshalb er den alten Recken im großen Finale eine umso triumphalere Rückkehr zugesteht. Für Hightech-Spielereien, die im Mittelteil zum Einsatz kommen und in einer Szene Barneys Rückständigkeit recht amüsant umreißen, ist nun kein Platz mehr. Stattdessen geht es in gewohnter Brachialmanier ans Eingemachte, wenn sich die Söldnerschar der schwer bewaffneten Armee von Stonebanks entgegenstellen muss. Hier kehrt "The Expendables 3" wieder erkennbar zu den Wurzeln des Franchise zurück und macht bezeichnenderweise auch am meisten Spaß (den manchmal bescheidenen Computereffekten zum Trotz). Die Actionszenen sind im Allgemeinen sauber inszeniert, wenngleich die Fans der Reihe aufgrund der anvisierten Jugendfreigabe dieses Mal auf blutige Details verzichten müssen.

Weniger ausgeprägt sind im Vergleich zur zweiten Runde auch die selbstironischen Anklänge, was allerdings kein Nachteil sein muss. Komik entsteht vor allem dann, wenn Neuzugang Antonio Banderas als dampfplaudernder Scharfschütze Galgo durchs Bild stapft und seine Begleiter mit seiner übersprühenden Energie fast zur Verzweiflung bringt. Mel Gibson wiederum spielt Barneys ehemaligen Mitstreiter und jetzigen Kontrahenten betont überzogen, gibt einigen eher halbherzigen Szenen dadurch aber erst den nötigen Drive. Stallone fällt es in gemeinsamen Momenten sichtlich schwer, neben seinem lustvoll-diabolisch agierenden Leinwandpartner zu bestehen.

Fazit: Die wieder einmal zahlreichen Actionmomente und die überzeugenden Darbietungen von Antonio Banderas und Mel Gibson können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sylvester Stallone mittlerweile mit den Grundkonstanten seiner Söldnerreihe hadert. Richtig ausgereift wirkt das neue Abenteuer nicht, ist aber dennoch leidlich unterhaltsam.




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