VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Besser als nix
Besser als nix
© NFP marketing & distribution

Kritik: Besser als nix (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Besser als nix" ist ein Melodram und eine rabenschwarze Komödie, wie man sie aus Deutschland bisher kaum kennt. Die wenigen Versuche, die es hierzulande in dieser Richtung gab, wirken - wie Andreas Kleinerts "Freischwimmer" (2007) - entweder wie versucht, aber nicht ganz gekonnt oder sind - wie Oskar Roehlers "Lulu und Jimi" (2009) – offensichtlich beim großen amerikanischen Vorbild geklaut und wirken dabei zusätzlich zu gewollt. Eine echte Ausnahme bildet "Schwerkraft" (2009), "Stereo" (2014) zu einer der wenigen großen Hoffnungen des deutschen Genrekinos avanciert ist. "Besser als nix" ist jedoch nicht das Werk eines jungen Wilden, sondern das der 57-jährigen Ute Wieland ("Im Jahr der Schildkröte"), deren Kinodebüt bereits über Dreißig Jahre zurückliegt.

Seither hat die Dozentin der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film überwiegend für das Fernsehen gearbeitet. Mit "Besser als nix" stehen Wielands Chancen auf ein echtes Comeback auf der großen Leinwand besser, als je zuvor. Der Film ist frech und frisch wie das Debüt eines verwegenen Jungregisseurs. Zwar ist ein Großteil der Figuren im Film recht klischeehaft angelegt. Doch die Regisseurin ist sich dieser Tatsache sehr bewusst und treibt immer wieder ihr Spiel damit. Da gibt es die prollige Dorffußballhymne, in der nicht nur von harten Jungs "mit drei Eiern" die Rede ist, sondern die auch mit einem kernig intoniertem "Ei, Ei, Ei!" endet. Oder da ist die spießige Arbeitsamtsberaterin, die nicht nur einen Pudel-Screener auf dem Bildschirm, sondern ihr gesamtes Büro mit Pudel-Darstellungen zugepflastert hat. All diese überzogenen Details werden jedoch mit einer großen Selbstverständlichkeit und einer Beiläufigkeit präsentiert, die es dem Zuschauer überlassen zu entdecken, dass hier gerade etwas recht schräg ist.

Mit den Bestattern Hans und Olga zeigt "Besser als nix" extreme Typen, wie man sie im deutschen Kino sonst kaum trifft. Und mit seiner expliziten Todesthematik begibt sich der Film weit in eine absolute Tabuzone hinein und macht hierbei keinerlei Konzessionen an Ekelgrenzen oder den "guten Geschmack". Szenen, wie die in welcher Tom mit seiner Hand tief im Inneren einer Leiche wühlen muss, um den Herzschrittmacher heraus zu rupfen, erwartet man eher in einem Film der Coen Brothers, als in einer deutschen Komödie. Wunderbar trocken ist auch, wie Tom, nachdem er mal wieder die Führerscheinprüfung vermasselt hat, die ihm äußerst feindlich gesinnte Prüferin mit einem Schlag dadurch los wird, dass jene mal kurz von einem Lieferwagen mitgerissen wird. "Besser als nix" ist ein kurzweiliges Vergnügen und nicht nur für deutsche Verhältnisse gut.

Fazit: Die schwarze Komödie "Besser als nix" ist nicht nur deshalb "schwarz", weil der Protagonist Tom ein Grufti ist, sondern wartet mit einem bösen Humor auf, der eine echte Freude ist!




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.