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Exhibition
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© Fugu Filmverleih

Kritik: Exhibition (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die britische Filmemacherin Joanna Hogg porträtiert ein Künstlerehepaar, das sich in der zweiten Lebenshälfte befindet. D und H sind kinderlos geblieben und das große Haus, in dem sie wohnen und arbeiten, hat zumindest für H schon viel von seinem Reiz eingebüßt. Als Kreative beziehen D und H einen großen Teil ihrer Inspiration aus dem privaten Alltag. Folgerichtig spielt ihr Heim, das "H-House" des 2011 verstorbenen Architekten James Melvin, dem der Film gewidmet ist, in der Geschichte eine zentrale Rolle. Es ist selbst ein Design-Kunstwerk, mit seiner metallenen Wendeltreppe, den großzügigen Fensterfronten und der nüchternen Form, die sich in einen Zufluchtsort mit Geheimnissen verwandeln kann.
Hogg erzählt vor allem aus der Perspektive der Frau. Das Haus bietet D emotionale Sicherheit, ist wie eine Höhle, die sie jeden Tag neu erkundet. Der geplante Verkauf schürt Ds Ängste vor der Zukunft so sehr, dass sie sich nachts im Dunkeln zu fürchten beginnt. In einem nächsten Schritt versucht sie, den bevorstehenden Umzug als Inspiration für eine neue Ausdruckskraft zu nutzen: Sie bemüht sich um eine Ausstellung und entdeckt spielerisch auch eine exhibitionistische Seite an sich. Hogg beobachtet oft in statischen Einstellungen im Halbdunkel der Räume, wie D Schiebetüren öffnet, Vorhänge zuzieht, mit den Lamellen der Jalousien spielt. D beginnt sich zu fragen, wie sehr sie sich abschirmen will vor den Blicken der Außenwelt, wenn sie sich selbst im Fenster spiegelt.
Die Geschichte kreist sehr wortkarg um die Verletzungen, die sich D und H in ihrem Ringen um innere Unabhängigkeit gegenseitig zufügen. Der Ehepartner ist nicht der Mensch, der alle persönlichen Sehnsüchte erfüllt, kann das auch gar nicht. Bis zuletzt bleibt offen, ob diese Beziehung noch Bestand haben wird. Bezeichnenderweise ist auch nie von der neuen Bleibe die Rede, sondern nur vom Verlassen des vertrauten Refugiums.
Hoggs Inszenierung wirkt sehr realitätsnah, man glaubt meistens, Momenten aus dem echten Leben beizuwohnen, die Atmosphäre im "H-House" zu spüren. Die Musikerin Viv Albertine und der Objektkünstler Liam Gillick spielen zum ersten Mal in einem Film. Hogg ließ ihnen Raum für Improvisation, besonders bei den Dialogen. Die häufige Dunkelheit und die Ruhe sorgen in Verbindung mit den Sprachproblemen in der Beziehung für eine manchmal fast unheimliche Spannung. Diese trägt jedoch nicht solange, wie der Film mit seinen 104 Minuten dauert. Ein wenig mehr Stringenz hätte dieser interessanten Suspense-Geschichte gutgetan.

Fazit: Joanna Hoggs wortkarges Beziehungsdrama gleicht einer Höhlenexpedition mit ungewissem Ausgang. Es erkundet mit spielerischem Suspense, inwiefern das Lebensgefühl eines Londoner Künstlerpaars von dem Haus geprägt ist, von dem es sich nach 18 Jahren trennt.




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