VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Rogue One: A Star Wars Story
Rogue One: A Star Wars Story
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Rogue One: A Star Wars Story (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Als George Lucas 2012 die Rechte seines Franchise an den Walt Disney Konzern veräußerte, wurde vielen "Star Wars"-Fans flau im Magen. Deren schlimmste Befürchtung: Das milliardenschwere Medienunternehmen würde aus der Geschichte um Luke Skywalker, Darth Vader & Co. leicht verdauliche Kinderkost machen. Andererseits: Noch kindgerechter, ja in großen Teilen kindischer als die Episoden I bis III, in denen Lucas zwischen 1999 und 2005 die Vorgeschichte seiner Original-Trilogie erzählte, konnte es kaum kommen. Mit "Star Wars: Das Erwachen der Macht" (2015), dem Auftakt aus dem Hause Disney, stimmte Regisseur J.J. Abrams Fans und Kritiker dann auch versöhnlich. In Deutschland lockte der in der Chronologie nunmehr siebte Teil mehr als neun Millionen Zuschauer in die Kinos.

Wie es mit Familie Skywalker weitergeht, erfahren die Zuschauer erst im Dezember 2017. Um die Wartezeit bis Episode VIII zu verkürzen, startet in diesem Jahr das erste von bislang drei geplanten Spin-offs, die zwar alle im "Star Wars"-Universum verortet sind, aber wie kleine Satelliten etwas abseits um die Hauptgeschichte kreisen. Diese in sich abgeschlossenen Abenteuer bieten den Machern hinter den Kulissen im von Geeks, Freaks und Aficionados streng beäugten Kanon etwas mehr erzählerische Freiheit. Regisseur Gareth Edwards und seine Drehbuchautoren Chris Weitz und Tony Gilroy wissen diese geschickt zu nutzen.

Für die Einführung der Charaktere verschwenden die drei keine Zeit. Nach einem kurzen Prolog besucht das Publikum in nicht einmal zehn Minuten einen Handelsaußenposten, einen Planeten und zwei Monde, lernt den Rebellenoffizier Cassian Andor (Diego Luna), den Piloten Bodhi Rook (Riz Ahmed), die Strafgefangene Jyn Erso (Felicity Jones) und den Roboter K-2SO kennen, die das Schicksal des Universums fortan in ihren Händen halten werden. Nachdem die drei zwei weitere Mitstreiter (Donnie Yen und Wen Jiang) aufgegabelt haben, hält Edwards die Truppe beisammen und steuert weit weniger Schauplätze an als seine Vorgänger. Das schafft die nötige erzählerische Klarheit, die George Lucas in den Teilen I bis III zu häufig vermissen ließ. In "Rogue One" hat das Publikum das Ziel der zusammengewürfelten (Anti-)Helden hingegen stets fest vor Augen.

Während George Lucas' Entwurf eines multikulturellen Universums auch immer ein wenig Märchen mit einem kräftigen Schuss Weltraumoper war, liefert Gareth Edwards einen astreinen Kriegsfilm ab. Wenn Jyn Erso und ihre Bande aus Außenseitern sich inkognito hinter feindliche Linien schleichen, dann schwingt in "Rogue One" Robert Aldrichs "Das dreckige Dutzend" (1967) mit. Ganz so fatalistisch wie bei Aldrich geht es bei Disney freilich nicht zu, kompromisslos ist das erste Spin-off dennoch. Zwischen den Zeilen gibt es sich zudem politisch. Dann beschwören Turban tragende Rebellen im Häuserkampf oder der finale Showdown unter Palmen Bilder vergangener Schlachten der US-Amerikaner herauf.

Durch all das Kampfgetümmel navigiert Regisseur Gareth Edwards souverän. Statt auf Wackelkamera und schnelle Schnitte setzt er auf ausgeklügelte Choreografien, die es dem Publikum erlauben, auch in hektischen Angriffen den Überblick zu bewahren. Der Einsatz computergenerierter Bilder und der 3-D-Technik überzeugt weit mehr als in den völlig überladenen Effektorgien der Prequel-Trilogie. Auch die Balance zwischen Action und Humor stimmt. Wie einst R2-D2 und C-3PO besorgt auch dieses Mal eine Maschine die meisten Gags. Im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten ist K-2SO jedoch alles andere als niedlich – wie Edwards überhaupt eine deutlich dunklere Welt entwirft und diese konsequent zu Ende denkt. Seine Helden sind durch die Bank Opportunisten, die erst spät zu Idealisten werden. Trotz einer Altersfreigabe ab 12 Jahren hat das mit einem Kinderfilm weit weniger zu tun als noch "Das Erwachen der Macht". Fast scheint es so, als ob Disney all die Skeptiker mit "Rogue One" Lügen strafen wollte.

Fazit: Regisseur Gareth Edwards feiert einen gelungenen Einstand ins "Star Wars"-Universum. "Rogue One" hat alles, was junge und alte Fans begeistert: Science-Fiction, Action, Humor und das Herz an der richtigen Stelle. Mit seiner konsequent zu Ende erzählten Handlung erbringt der Walt Disney Konzern zudem den Beweis, dass er nicht nur leicht verdauliche Kinderkost produziert.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.