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Alles steht Kopf
Alles steht Kopf
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Alles steht Kopf (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Im Animationsfilm bleibt Pixar weiter eine Klasse für sich. Seit 2006 gehört das Unternehmen, das Mitte der 1980er als Computer- und Spezialeffekteschmiede begann, zu Walt Disney. Allen Befürchtungen zum Trotz haben weder die Kreativität noch die erzählerische Freiheit unter dem Dach des neuen Mutterkonzerns gelitten. Für Disney produzierte das Studio freilich schon vor seinem Aufkauf. "Toystory", der erste vollständig am Rechner erstellte abendfüllende Kinofilm, markierte 1995 den Beginn ihrer Zusammenarbeit. Doch Pixar lieferte Disney mehr als nur das technische Know-how. Die Regisseure und Drehbuchautoren John Lasseter, Andrew Stanton, Brad Bird, Pete Docter & Co. entpuppten sich als ebenso einfallsreiche wie einfühlsame Erzähler, die so manche Geschichte aus Disneys klassischer Animationsabteilung ganz schön alt(backen) aussehen ließen.

Was deren Filme von so vielen aus dem Hause Disney unterscheidet: Es sind keine reinen Kinderfilme. Die animierten Abenteuer funktionieren für Erwachsene ebenso gut wie für deren Nachwuchs – vielleicht ja, weil sie einen deutlich ernsteren, von unnötigem Kitsch und Rührseligkeit befreiten Ton anschlagen, sich dabei jedoch ihre kindliche Fabulierlust bewahren. Mit "WALL-E" (2008) und "Oben" (2009) erreichte Pixar schließlich eine neue Qualität, behandeln die Filme doch Themen wie Einsamkeit und das Alter(n) mit einer für den (US-amerikanischen) Animationsfilm bislang ungekannten Sensibilität. Nach eher durchwachsenen Werken ("Cars 2", "Merida – Die Legende der Highlands", "Die Monster Uni") knüpft "Alles steht Kopf" genau dort an und lässt die Konkurrenz von den Walt Disney Animation Studios (jüngst etwa: "Baymax") mit großem Abstand hinter sich.

Wer sich schon immer gefragt hat, was im Kopf eines kleinen Mädchens vorgeht, und dabei nicht vor schrägen Antworten zurückschreckt, der ist in "Alles steht Kopf" genau richtig. Pete Docters und Ronaldo Del Carmens Komödie ist eine zerebrale Wundertüte, in der hinter jeder Hirnwindung die nächste Überraschung lauert. Spielerisch wechselt der Film zwischen Rileys Außen- und Innensicht. Wie einfallsreich und leicht verständlich "Alles steht Kopf" dabei komplexe Gedankengänge visualisiert, ist meisterhaft. Da stapfen Freude und Kummer beispielsweise im Langzeitgedächtnis an endlosen Regalen voller Erinnerungen entlang, bevor zwei Löscharbeiter unwichtige Daten einfach absaugen und auf der Müllhalde der Memoiren abladen. Andere Episoden, etwa wie Träume entstehen oder wie das abstrakte Denken funktioniert, sind kleine, selbstreferenzielle Meisterwerke, die das Produktionssystem der Traumfabrik oder die Spielarten des Animationsfilms auf die Schippe nehmen.

Junge Zuschauer erfassen diesen Ideenreichtum freilich nur im Ansatz. Doch wie bei jeder guten Pixar-Produktion funktionieren die Gags für die Großen und die Kleinen. Während Kinder gemeinsam mit Riley lernen, dass auch Kummer zum Leben gehört, ermahnt "Alles steht Kopf" deren Eltern, sich stets einen kindlichen Blick zu bewahren. Ein Film, der ein (Wieder)Sehen im Erwachsenenalter lohnt.

Fazit: Nach drei schwächeren Filmen knüpft Pixar an alte Stärken an. "Alles steht Kopf" ist ein kluges, ebenso einfallsreiches wie einfühlsames Animationsabenteuer für Klein und Groß.




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