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Florence Foster Jenkins
Florence Foster Jenkins
© Constantin Film

Kritik: Florence Foster Jenkins (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nachdem die exzentrische Florence Foster Jenkins (1868-1944) im vergangenen Jahr als Vorbild für die von Catherine Frot interpretierte Protagonistin in "Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne" diente und zudem in diesem Jahr schon im Zentrum von Ralf Plegers dokumentarischem Werk "Die Florence Foster Jenkins Story" stand, tritt sie nun in Gestalt der Edelmimin Meryl Streep in Erscheinung. Stephen Frears' Biopic "Florence Foster Jenkins" ist eine filmische Ode an den High Camp, den die "schlechteste Sängerin aller Zeiten" äußerst eindrucksvoll verkörperte: Camp sei zum Beispiel "eine Frau, die in einem Kleid aus drei Millionen Federn herumläuft", schrieb die Essayistin Susan Sontag 1964 in ihrem Aufsatz "Notes on 'Camp'" – essenziell sei eine gescheiterte Ernsthaftigkeit, verbunden mit Leidenschaft und Übertreibung. Dieser Essenz kommen Frears und Streep, nicht zuletzt dank der aufwendig-detailreichen Arbeit von Kostümdesignerin Consolata Boyle, sehr nahe – auch weil sie in der Inszenierung beziehungsweise der Darstellung nicht den Fehler begehen, die Hauptfigur der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Film fängt nach einigen nostalgisch-schönen New-York-Aufnahmen mit einem pathetisch vorgetragenen "Hamlet"-Monolog des Lebensgefährten von Florence – St. Clair Bayfield – sowie zwei tableaux vivants an: Zunächst wird Florence in einer historischen Alabama-Kulisse als "Engel der Inspiration" an einem Seil auf die Bühne heruntergelassen, ehe sie im finalen "Ritt der Walküren" als Kämpfer in Rüstung zum Mittelpunkt wird. Auf diese komischen Einlagen (deren Komik von den Beteiligten indes nicht intendiert ist) folgen alsbald rührend-ruhige Momente, wenn St. Clair Florence zu Bett bringt und auf ihren Wunsch zum Einschlafen abermals zu rezitieren beginnt. Dem Drehbuch des bisher im Fernseh-Bereich tätigen Nicholas Martin sowie der Umsetzung von Frears gelingt diese Balance zwischen (gelegentlich recht albernem) Witz und Stille im Laufe der Handlung immer wieder. Der besorgniserregende gesundheitliche Zustand von Florence – der daraus resultiert, dass Florence vor fast 50 Jahren von ihrem ersten Mann Frank Thornton Jenkins mit Syphilis angesteckt wurde – wird ebenso thematisiert wie der Schock, den die späte Konfrontation mit der Wahrheit auslösen kann. Die Funktionsweise der ungewöhnlichen "platonischen Ehe" von Florence und St. Clair wird zu Beginn geschickt eingefangen und führt zu einer lustig-boulevardesken Passage im Mittelteil des Werks.

Wie bereits in seinen anderen Arbeiten (etwa "Die Queen" oder "Philomena") offeriert Frears seinem Ensemble die Möglichkeit, hingebungsvolle Performances zu liefern. Meryl Streep gibt wunderbar-schreckliche Töne von sich, verleiht der Titelheldin aber zugleich Würde, sodass Florence nie zur Karikatur verkommt. Hugh Grant kann in seinem Part als "Gemahl" und Manager überzeugend vermitteln, dass St. Clair tiefe Gefühle für Florence hegt und den Spott nicht nur aus Eigennutz von ihr fernzuhalten versucht, während Simon Helberg ("The Big Bang Theory") als Pianist Cosmé McMoon zunächst herrlich ungläubig auf den Gesang von Florence reagiert, ehe der junge Mann zu einem loyalen Begleiter wird.

Fazit: Ein Fest des pompösen Scheiterns, das gekonnt zwischen Komik und Tragik pendelt und in den Hauptrollen mit spürbarer Hingabe dargeboten wird.





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