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The Big Short
The Big Short
© Paramount Pictures Germany

Kritik: The Big Short (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seiner letzten Regiearbeit "Anchorman: Die Legende kehrt zurück" ließ Adam McKay den Nachrichtenmoderator Ron Burgundy zum zweiten Mal auf die Kinozuschauer los und lieferte erneut enervierendes Geblödel ab, das nur selten scharfsinnige Pointen zu bieten hatte. Ganz anders verhält es sich nun mit der Börsen-Tragikomödie "The Big Short", die auf dem gleichnamigen Sachbuchbestseller von Michael Lewis basiert. Erzählt wird hier von mehreren Investoren, die den Zusammenbruch des Finanzmarktes im Jahr 2008 voraussehen und ihre Prophezeiungen vergolden können. Obwohl die Thematik eigentlich staubtrocken ist, blickt McKay ähnlich gewitzt und enthemmt wie Martin Scorsese mit "The Wolf of Wall Street" auf ein Milieu, in dem es vor Betrügern und gierigen Zockern nur so wimmelt.

Parallelen zu Scorseses schwarzhumoriger Börsensause von 2013 ergeben sich schon durch die Gestaltung, mit der McKay seinen filmisch wenig attraktiven Stoff aufwertet. Schnelle Schnitte, direkte Zuschaueransprachen und pointiert-rasante Dialoge ziehen den Betrachter rasch in das Geschehen hinein. Inserts mit kurzen Erklärungen zu wichtigen Fachbegriffen, bildliche Umschreibungen und augenzwinkernde Gastauftritte – etwa Margot Robbie, die auch in "The Wolf of Wall Street" zu sehen war – sorgen dafür, dass selbst branchenfremde Kinogänger nicht auf der Strecke bleiben müssen. Gleichwohl ist die Aufmerksamkeit des Publikums jederzeit gefordert, da komplexe Börsenprodukte eine zentrale Rolle spielen und die seltsam verklausulierte Sprache der Banker nicht über Bord geworfen wird. Wer leicht bekömmliche Popcorn-Unterhaltung erwartet, dürfte sich gehörig wundern.

Als zusätzliche Herausforderung erweisen sich die drei unterschiedlichen Erzählstränge, die sich zwischendurch berühren, aber nie zusammenlaufen und ein entsprechend umfangreiches Figurenpersonal in Stellung bringen. Dramatische Momente, absurde Situationskomik und augenöffnende Enthüllungen wechseln sich ständig ab, wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Tonlagen manchmal etwas holprig geraten. Schwankend in ihrer Qualität fallen auch die verschiedenen Plotlines aus. Während der Strang um Mark Baum (Steve Carell) und seine Mitarbeiter vor Energie und irrwitzigen Pointen nur so strotzt, bleiben die Junginvestoren Charlie Geller (John Magaro) und Jamie Shipley (Finn Wittrock) eher blass.

Dass sich "The Big Short" dennoch als amüsant-fesselnde Angelegenheit präsentiert, ist in erster Linie dem furios aufspielenden Star-Ensemble zu verdanken. Angefangen bei Ryan Gosling, der den aalglatten Makler Jared Vennett als umtriebigen Opportunisten spielt. Ein Mann, der mit Worten zu jonglieren weiß und sich mit seinen Erläuterungen mehrmals "vertrauensvoll" an den Zuschauer wendet. Imponierend ist zudem der Auftritt von Christian Bale, der den Hedgefonds-Manager Michael Burry als exzentrisches Superhirn verkörpert. Den prägnantesten Eindruck hinterlässt allerdings Steve Carell, der schon 2014 im Sportlerdrama "Foxcatcher" seine Qualitäten als Charakterdarsteller nachhaltig unter Beweis stellen konnte. In der Rolle des Traders Mark Baum, der mit moralischen Skrupeln und einem persönlichen Verlust zu kämpfen hat, läuft er abermals zu Höchstform auf. Bemerkenswert ist vor allem, dass seine Figur nicht zu einer billigen Karikatur verkommt, obwohl sie ständig unter Strom steht.

Fazit: Drama, Satire und Börsenkrimi – mit "The Big Short" erzählt Adam McKay eine leider allzu reale Vorgeschichte zur weltweiten Finanzkrise von 2008. Ein rasant getakteter Film, der trotz kleiner Schwächen mitreißt und die hässliche Fratze des Kapitalismus entblößt.




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