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Kritik: Café Society (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 80-jährige Regisseur Woody Allen legt mit "Café Society" seinen mittlerweile 47. Film vor. Das Werk, das von den Amazon Studios finanziert wurde, ist mit 30 Millionen Dollar Produktionskosten Allens bisher teuerster Film. Gedreht wurde er im August und September des letzten Jahres, vor allem in New York und Los Angeles. Ursprünglich war Bruce Willis für die Rolle des wohlhabenden Onkels vorgesehen, dieser wurde – Gerüchten zufolge – jedoch gefeuert, weil er sich seinen Text nicht hatte merken können. Wie gewohnt konnte Allen ein großes Staraufgebot vor der Kamera versammeln, das sich aufgrund vorheriger Filme bereits kannte. Allein Kristen Stewart und Jesse Eisenberg haben zuvor schon in zwei Filmen gemeinsam mitgewirkt ("Adventureland" und "American Utra").

"Café Society" ist bei weitem nicht Allens bester Film, aber es ist ein guter und das allein heißt schon etwas bei einem 80-jährigen Regisseur, der (zum Glück) einfach nicht totzukriegen ist. Im Prinzip dreht Allen ja seit vielen Jahren immer und immer wieder denselben Film: gebrochene Herzen bevölkern seine Werke und Liebeswirren durchziehen die Handlung, die zumeist an exotischen, betörend schönen Orten spielt. So ist das auch in "Café Society", der nicht zuletzt von seiner edlen, anmutigen Bildsprache lebt. Die an Plastizität, Detailreichtum und Schärfe kaum zu überbietenden Aufnahmen vor allem von Los Angeles sind eine der großen Stärken des Films. Zu sehen gibt es die dortigen schillernd-pompösen Anwesen, kristallklare, schimmernde Swimming-Pools sowie die ausschweifenden Partys innerhalb der Glitzer- und Glamourwelt.

Und wie so oft bei Allen, ist die männliche Hauptfigur ein Abziehbild seiner selbst. Bobby ist jüdisch, ein wenig naiv, gespickt mit allerlei Neurosen und ein hoffnungsloser Träumer – also Woody Allen in seinen 30ern, wenn man so will. Jesse Eisenberg spielt diesen sympathischen, etwas arglosen Bobby mit viel Hingabe, Authentizität und dem nötigen Respekt vor der Rolle. Das Ambiente und das Setting des L.A.-Handlungsstrangs und damit der Szenen, die im Hollywood der 30er-Jahre angesiedelt sind, kommen detailreich und realistisch daher. Hier haben die Produktionsdesigner ganze Arbeit geleistet: von den Requisiten über die Kleidung der Figuren, der Inneneinrichtung der Wohnungen bis hin zur Tatsache, dass im Film immer wieder auch die Namen legendärer Hollywoodstars der 30er- und 40er-Jahre fallen: Allen beschwört den Geist des alten Hollywood, als der dortige Starkult in einen vorläufigen Höhepunkt und die Traumfabrik ihre finanzielle Blütezeit erreichte.

Ein wenig Schade ist, dass der Film mit dem Wechsel des Handlungsorts (von L.A. in die New Yorker Bronx) ein wenig von seiner stimmigen Atmosphäre einbüßt. Der Perspektivwechsel erweist sich auch deshalb als recht harter Schnitt, da er doch recht unvermittelt kommt und die Hauptfigur – ganz plötzlich – quasi nochmal von vorne beginnt. Da muss man sich als Zuschauer auch nochmal völlig neu mit ihr identifizieren. Dies ist nicht frei von Anstrengung und Durchhaltevermögen.

Fazit: Toll gespielte, mit glänzenden und anmutig-edlen Bildern ausgestattete Hommage an das Hollywood der 30er-Jahre, das typische autobiografische Allen-Züge aufweist.





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