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Der Nussknacker und die vier Reiche
Der Nussknacker und die vier Reiche
© Disney

Kritik: Der Nussknacker und die vier Reiche (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das berühmte Ballett "Der Nussknacker" zur Musik des russischen Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowski gehört zu den Kulturveranstaltungen, die viele Familien in Europa und den USA schon traditionell in der Vorweihnachtszeit besuchen. Die märchenhafte, auf E.T.A. Hoffmann zurückgehende Geschichte, die es erzählt, spielt selbst an Weihnachten. In den Träumen eines Mädchens setzen sich Spielsachen in Bewegung und fangen zu kämpfen an. In der komplizierten Handlung spiegelt sich die Kraft, die das Weihnachtsfest auf die kindliche Fantasiewelt ausübt - aber auch die Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Erzählung erschien, noch etwas unheimliche Verheißung des technisch-mechanischen Fortschritts.

Auch in der Disney-Realverfilmung geht es um die Macht des Menschen, Apparate, Spieluhren in Bewegung zu setzen und der Welt der Objekte gewissermaßen Leben einzuhauchen. Sie beflügelt die magische Vorstellungskraft Claras, die Regisseur Lasse Hallström ("Chocolat") und sein für den Nachdreh zuständiger Kollege Joe Johnston opulent ins Bild setzen. Es gibt Motive aus der Heimat des Balletts – etwa die kosakisch anmutenden Reiterkostüme oder der Märchenpalast, welcher der Moskauer Basilius-Kathedrale ähnelt. Aber es fehlen auch nicht dem amerikanischen Geschmack geschuldete Verweise auf Märchenmagie à la "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia", "Der Zauberer von Oz", oder auf den Charme, den seit "Twilight - Biss zum Morgengrauen" eine Pavillon-Tanzszene besitzt. In diesem visuell überbordenden Universum - mit dem von Felsen und Wasserfällen umgebenen Palast, dem Zirkuszelt von Mutter Ingwer - kann sich die eigene Fantasie schier verlaufen. Hinzu kommen Tanz – der Ball bei Drosselmeyer, Ballettszenen – und eine aufwändige Filmmusik, welche auch die von Lang Lang gespielte Nussknacker-Suite einschließt.

Aber es mangelt der Geschichte an Gefühl. Sie wirkt nicht aus einem Guss, zumal sich das zentrale, für den Film erfundene Motiv der Trauer Claras um die Mutter, nicht gut mit den anderen Themen, dem Krach in den Fantasiereichen, der zarten Romanze zwischen Clara und dem Soldaten Phillip, verträgt. Den Charakteren fehlt ein persönlicher, lebendiger Charme, sie erinnern schon beinahe an Figuren auf einer Spieluhr. Wieder einmal stellt sich heraus, dass Opulenz allein nicht ausreicht, um die Herzen der Betrachter zu erobern.

Fazit: Unter der Regie von Lasse Hallström und Joe Johnston gerät dieser Disneyfilm, der auf dem Ballett "Der Nussknacker" von Peter Tschaikowski und der Märchenvorlage von E.T.A. Hoffmann basiert, zu einem prächtigen visuellen Spektakel. Die opulente Ausstattung und die Magie der heraufbeschworenen Märchenwelten beflügeln die Fantasie und versetzen das Publikum in festliche Stimmung. Die Charaktere erhalten jedoch nicht genügend Raum zur Entfaltung, sie wirken zu wenig originell und lebendig, um die staunenden Betrachter mitzureißen.




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