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Vice - Der zweite Mann
Vice - Der zweite Mann
© Universum Film

Kritik: Vice - Der zweite Mann (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nachdem sich der Comedy-erprobte Adam McKay in "The Big Short" (2015) auf unterhaltsame Weise mit den komplizierten Sachverhalten befasste, die ab 2007 zur US-Finanzkrise führten, widmet sich der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in "Vice – Der zweite Mann" dem Werdegang von Dick Cheney. Dieser zähle – wie es zu Beginn des Films heißt – zu den verschwiegensten Politikern aller Zeiten, doch das Team habe sein "fucking best" getan, um das private und berufliche Leben des Protagonisten zu beleuchten. Und man kann nur sagen: Dies ist wirklich gut gelungen!

In "The Big Short" nutzte McKay etwa Gaststars wie Margot Robbie oder Selena Gomez, um diese in der Luxus-Badewanne oder am Casino-Tisch schwierige Finanzbegriffe möglichst anschaulich erklären zu lassen – und ebenso wartet er diesmal mit zahlreichen Einfällen auf, um sein Publikum zu amüsieren, oft aber auch zu irritieren. Neben Archivaufnahmen und Zitaten sorgt ein von Jesse Plemons verkörperter Erzähler namens Kurt dafür, das Gezeigte einzuordnen. Welchen Bezug Kurt zu Cheney hat, offenbart sich indes erst gegen Ende. Darüber hinaus werden politische Vorgänge und Methoden zum Beispiel in Form einer Monopoly-Runde präsentiert oder mit Cheneys Hobby, dem Fliegenfischen, audiovisuell in Verbindung gebracht. Mit der dramaturgischen Form des Biopics setzt sich McKay auf einer Meta-Ebene auseinander, indem er sein Werk ungefähr in der Mitte plötzlich mit einem Fake-Happy-End samt Texteinblendungen und einsetzendem Abspann enden lässt oder einfängt, wie Cheney und seine Gattin die diffizile Lage in einem Shakespeare-artigen Dialog erörtern.

Gleichwohl ist "Vice" bei aller (Selbst-)Ironie mehr als ein kurzweiliger Spaß über ein ernstes Thema und einen dubiosen Charakter im Zentrum. Wenn Cheney und Bush junior etwa miteinander in Verhandlung treten und Cheney es dabei durch geschicktes Taktieren schafft, das Amt des Vizepräsidenten mit enormer Macht zu versehen, oder wenn gezeigt wird, wie Cheney nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in einer Atmosphäre der Verwirrung und Angst Entscheidungen trifft, wird deutlich, dass McKay ein sehr genauer Beobachter ist. Hinzu kommen eindrückliche Schauspiel-Leistungen, insbesondere von Christian Bale im Hauptpart und Amy Adams als Ehefrau, sowie eine hervorragende Arbeit der Make-up-Abteilung.

Fazit: Ein satirisches Biopic über einen undurchsichtigen Machtmenschen, das mit originellen Ideen, kluger Selbstreferenzialität und einer perfekten Besetzung zu überzeugen vermag.




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