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Monsieur Claude 2
Monsieur Claude 2
© Neue Visionen

Kritik: Monsieur Claude 2 (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Jahr 2014 entwickelte sich die französische Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" auch in Deutschland zum Kinohit. Das Ehepaar, dessen vier Töchter einen Juden, einen Mann mit algerischen Wurzeln, einen Chinesen und einen Afrikaner von der Elfenbeinküste in die Familie holen, verkörperte eine in der Gesellschaft latent vorhandene Angst vor Überfremdung. Über die Vorurteile des von Christian Clavier und Chantal Lauby gespielten gutbürgerlichen Ehepaars konnte man lachen, und sich vielleicht ein Stück weit darin wiedererkennen. Nun legt Regisseur Philippe de Chauveron nach und beschert Claude und seiner Frau Marie eine neue Bewährungsprobe.

Den Schwiegersöhnen gefällt es in Frankreich nicht! Claude und Marie können natürlich nicht tatenlos zusehen, wie der Nachwuchs ihnen – und dem schönen Frankreich! – so schnöde den Rücken kehrt. Die Komödie bietet Christian Clavier erneut einen starken Auftritt als Familienvater zwischen Prinzipien und Verunsicherung. In einer witzigen Nebenhandlung erhält Claudes Angst vor Ausländern neue Nahrung, in Gestalt eines bärtigen afghanischen Flüchtlings, den Marie auf Bitten des Pfarrers im Gartenhaus einquartiert. Und auch auf Claudes traditionsbewusstes Gegenstück, Charles‘ stolzen afrikanischen Vater André Koffi (Pascal Nzonzi), wartet eine böse Überraschung in Gestalt der Person, die seine Tochter heiraten will.

Es gibt immer wieder viel zu lachen, etwa weil sich nicht nur Claude, sondern auch sein Schwiegersohn Chao vom afghanischen Flüchtling im Garten bedroht fühlen. Chao wittert sowieso in jeder zweiten Bemerkung eines Kellners oder Verkäufers eine geringschätzige Anspielung auf seine Herkunft. Und die Schwiegersöhne neigen auch diesmal dazu, sich mit ihren ethnischen Vorurteilen gegenseitig zu kränken. Das Ensemblespiel ist kurzweilig und Clavier interpretiert den Titelcharakter wunderbar ironisch.

Es fällt aber auch auf, wie oberflächlich die Themen abgehandelt werden. Angesichts des Antisemitismus, der in Frankreich immer mehr jüdische Bürger veranlasst, nach Israel auszuwandern, ist es schon erstaunlich, dass David damit keine größeren Probleme haben soll. Er vermisst unternehmerischen Mut in der Gesellschaft und solche Dinge. Die Komödie will vor allem versöhnlich sein und lieber zu wenig, als zu viel anecken.

Fazit: Die Fortsetzung des Kinohits "Monsieur Claude und seine Töchter" aus dem Jahr 2014 spielt erneut vergnüglich mit der Angst der bürgerlichen Mitte vor kultureller Überfremdung. Christian Clavier glänzt wieder in der Rolle des gestressten Familienpatriarchen, der diesmal alles daran setzt, seine Schwiegersöhne von den Vorzügen des Lebens in Frankreichs zu überzeugen. Schließlich gilt es, die Auswanderung der vier Töchter und der eigenen Enkel nach Algerien, Israel, Indien und China zu verhindern. Das unterhaltsame Ensemblespiel kann nicht immer über den seichten Kurs der Handlung hinwegtäuschen.




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