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Kritik: Head Full of Honey (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Mit "Head Full of Honey" hat Til Schweiger ein englischsprachiges Remake seines deutschen Kassenerfolgs "Honig im Kopf" (2014) gedreht. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Lo Malinke und der britischen Autorin Jojo Moyes ("Ein ganzes halbes Jahr"). Sowohl im Inhalt als auch in der Form hält sich Schweiger eng an seine eigene Vorlage. Dadurch wiederholt er die Schwächen des Originals, setzt manche Momente aber auch noch weniger stimmig als in dem Film von 2014 um. Eine ganz so schlimme Zumutung, wie die US-Presse dies vermuten ließ, ist das Endergebnis nicht geworden – wirklich gelungen ist allerdings kaum etwas.

Wie in vielen Schweiger-Produktionen wirken sämtliche Kulissen extrem künstlich und steril. Wenn Nick und seine Tochter Matilda zu Beginn den (Groß-)Vater Amadeus in den USA besuchen, soll dessen Haus heruntergekommen aussehen – mutet jedoch eher wie ein schicker Vintage Store an. Auch das Zuhause von Nick und seiner Frau Sarah ist derart überladen mit schickem Krimskrams, dass man nicht für eine Sekunde glaubt, hier könnten echte Menschen leben. Problematischer als dieser Ausstattungsexzess ist indes die Montage: Die Anzahl von Schnitten ist selbst in völlig unaufgeregten Dialogpassagen so absurd hoch, dass es einfach nur zu permanenter Irritation führt. Die aufdringliche, dauerpräsente Popmusik macht es nicht besser.

Auf inhaltlicher Ebene erweist es sich als störend, dass die Alzheimererkrankung von Amadeus zu oft als Ausgangspunkt für Slapstick-Einlagen dient. Gewiss ist es sinnvoll, einer Erkrankung und der damit verbundenen Hilflosigkeit aller Betroffenen mit Humor statt mit Verzweiflung zu begegnen; hier wird der Bogen aber eindeutig überspannt. Wenn Amadeus den Garten ruiniert, ein Feuer in der Küche auslöst und für ein Debakel auf einer aufwendigen Party sorgt, ist die Klamauk-Grenze irgendwann überschritten; diverse Gags funktionieren überhaupt nicht. Und leider sind einige Szenen, die in "Honig im Kopf" recht überzeugend waren, etwa das Gespräch zwischen Amadeus und dem Arzt, nun erheblich schlechter geraten.

Dem (neuen) Ensemble kann man dies hingegen nicht zum Vorwurf machen. Nick Nolte ("Nur 48 Stunden", "Der Herr der Gezeiten") zeigt sich engagiert, ist jedoch den fragwürdigen Skripteinfällen unterworfen. Seine Tochter Sophie Lane Nolte, die auf der Leinwand seine Enkelin spielt und damit ihr Filmdebüt gibt, ist passabel; ebenso Matt Dillon ("L.A. Crash", "The House That Jack Built") und Emily Mortimer ("Match Point", "Mary Poppins' Rückkehr") als Matildas Eltern. Mortimer muss in ihrer Rolle allerdings oft allzu überspannt auf die Geschehnisse reagieren. Bekannte Gesichter wie Jacqueline Bisset ("Bullitt"), Eric Roberts ("Runaway Train") und Claire Forlani ("Rendezvous mit Joe Black") haben – teilweise sehr kurze – Gastauftritte; einen bleibenden Eindruck vermögen sie dabei aber nicht zu hinterlassen.

Fazit: Die unnötig hohe Schnittfrequenz und der Musikteppich sind anstrengend, der Umgang mit dem Thema Alzheimer überzeugt nicht. Das Schauspiel-Team gibt sein Bestes, kann dieses überflüssige Remake jedoch kaum retten.




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