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Im Netz der Versuchung
Im Netz der Versuchung
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Kritik: Im Netz der Versuchung (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wenn der von Matthew McConaughey gespielte Baker Dill seinem Traumfang hinterherjagt, wird er zum Besessenen. Um den übermächtigen Thunfisch endlich an Bord seines Schiffs zu ziehen, wird er schon mal zum Hitzkopf, bedroht seine Kunden mit Leib und Leben – und McConaughey ist in seinem Element. Der Oscarpreisträger gibt den gebrochenen Sonnyboy mit der ihm eigenen inneren Zerfressenheit. Dem unmoralischen Angebot seiner Ex-Frau Karen, die ihrem zweiten Ehemann an Leib und Leben will, begegnet Baker indes zunächst mit kühlem Kopf.

In seinem dritten Spielfilm als Regisseur stellt Drehbuchautor Steven Knight die Frage nach dem freien Willen. Warum handelt Baker mal wie ein unkontrollierbar Getriebener, mal wie ein Stratege, der dem Rätsel seines eigenen Handelns auf den Grund gehen will? Besitzt der Mensch überhaupt einen freien Willen oder ist er ein Sklave seines Alltags, in dem sich wie in Bakers Inselleben alles tagtäglich wiederholt? Die Antwort darauf ist ein billiger Drehbuchkniff – gleichermaßen (über)konstruiert und unbefriedigend.

Formal wirkt "Im Netz der Versuchung" wie die Antithese zu Knights "No Turning Back" (2013). Spielte letztgenannter Thriller mit nur einem Darsteller in der düsteren Enge eines Autos, hat Knight seinen jüngsten Film mit großem Cast in der farbenprächtigen Weite des Indischen Ozeans gedreht. Doch so faszinierend die Einzelteile auch schimmern, so toll die ausgefallenen Sets und die atemberaubenden Landschaften von Kameramann Jess Hall auch eingefangen sein mögen, sie wollen nicht zusammenpassen.

Das liegt an der unausgegorenen Mischung. "Im Netz der Versuchung" ist ein kruder Stilmix aus Neo-Noir, Familiendrama, Mystery Film und Mindgame Movie. Vor allem erstgenanntes Genre funktioniert überhaupt nicht. All die Anspielung auf die hartgesottenen Hunde und verführerischen Frauen aus Hollywoods Schwarzer Serie und aus den Romanen Ernest Hemingways und Graham Greenes wirken unheimlich altbacken. Inszenierung und Schauspiel des hochkarätigen Ensembles schrammen gerade in diesen Reverenzen haarscharf an der unfreiwilligen Komik vorbei. Anne Hathaway als Femme fatale ist eine glatte Fehlbesetzung.

Die Auflösung des Rätsels, das Baker Dill und das Publikum umtreibt und die an dieser Stelle nicht verraten werden soll, könnte das exaltierte, stets ein wenig zu aufgesetzte Schauspiel zwar erklären, macht die Sache aber nicht besser. Ein wenig scheint es so, als hätte sich Steven Knight nicht getraut, einen astreinen Neo-Noir zu drehen; als sei er sich bewusst gewesen, dass das heutzutage nur gehörig in die Hose gehen kann. Der Handlungskniff, mit dem er sich aus dieser Bredouille manövriert ist jedoch nur eine Krücke, die weder dem Thriller-Genre noch dem des Mindgame Movies eine neue Facette hinzufügt.

Fazit: "Im Netz der Versuchung" ist eine unausgegorene Mischung aus Thriller, Familiendrama, Mystery Film und Mindgame Movie, deren prächtig schimmernde Einzelteile nicht zusammenpassen wollen. Anne Hathaway ist eine glatte Fehlbesetzung und auch das Schauspiel des übrigen Ensembles grenzt an unfreiwillige Komik. Des Rätsels Lösung lässt das Publikum gleichermaßen unbewegt wie unbefriedigt zurück.




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