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Kritik: Ghostbusters: Legacy (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Ghostbusters: Legacy" führt das filmische Erbe der berühmtesten Geisterjäger der Welt fort und gilt als dritter offizieller Film der Reihe. Der letzte Teil, "Ghostbusters 2", stammt aus dem Jahr 1989. Da war Filmemacher Jason Reitman, Sohn des Original-Regisseurs Ivan Reitman, gerade einmal zwölf Jahre alt. Mit "Ghostbusters: Legacy" durfte er sein bislang größtes, teuerstes Projekt realisieren. Sein Durchbruch als Filmschaffender gelang ihm gleich mit seiner ersten Arbeit, der Satire "Thank you for smoking" (2005).

Bei Remakes oder Fortsetzungen einen Mix aus gelungener Verbeugung vor dem Original und eigenen, neuen Elementen hinzubekommen, ist nicht immer einfach. "Ghostbusters: Legacy" gelingt dies von der ersten Minute an fabelhaft, da Reitman vor dem überlebensgroßen Original nicht in Ehrfurcht erstarrt. Obwohl er diesem gerade im letzten Drittel und durch Auftritte altbekannter Figuren (putzig: die kleinen Marhsmallow Men) sowie durch das kultige "Ghostbusters"-Equipment (vom "Ecto-1" bis zum Protonen-Pack), immer wieder gekonnt huldigt. Doch er schafft es eben auch, seinen Film als völlig eigenständiges Werk erscheinen zu lassen und dem Franchise neue Facetten abzugewinnen.

Das liegt gerade an den interessanten, abwechslungsreichen und vielschichtigen neuen Charakteren, mit denen wir hier mitfiebern. Star des Films ist die phantastische Mckenna Grace als nerdige Jung-Wissenschaftlerin, die im Laufe der Story an Selbstbewusstsein gewinnt und lernt zu sich zu stehen. Daneben überzeugt vor allem Carrie Coon als zwischen Überforderung und Aufbruchsstimmung changierende, alleinerziehende Mutter, der mit Paul Rudd ein sympathischer Partner an die Seite gestellt wird, der – wie gewohnt – für einige Lacher gut ist.

"Ghostbusters: Legacy" lotet Themen wie Verlust, Einsamkeit, Vergangenheitsbewältigung und Selbstzweifel aus und ist alles in allem mehr ein Familienfilm als ein Fantasy- oder gar Horror-Werk. Dennoch kommen die gruseligen und phantastischen Elemente nicht zu kurz – selbst wenn es etwas dauert, bis die ersten Geisterwesen und übernatürlichen Kreaturen auf der Bildfläche erscheinen. Zudem gelingt die Melange aus überzeugenden, elektrisierenden CGI-Effekten und handgemachten, detailreichen "analogen" Tricks. Der Gesamtmix stimmt auch hier.

Fazit: Ungemein unterhaltsamer, ebenso spaßiger wie melancholischer Film, der dem Original raffiniert huldigt, dennoch neue Wege beschreitet und mit seiner schwungvollen Energie definitiv mitreißt.




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