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Kritik: Jim Knopf und die Wilde 13 (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" aus dem Jahr 2018 findet die Realverfilmung des zweibändigen Kinderbuchklassikers von Michael Ende nun ihre Fortsetzung. "Jim Knopf und die Wilde 13" erschien als Buch 1962 und die Filmemacher – erneut ist Dennis Gansel als Regisseur an Bord – haben wie beim ersten Teil darauf geachtet, der Fantasygeschichte einen nostalgischen Charme zu bewahren. Dennoch bietet diese ein aufregendes Abenteuer auf See und an fernen Gestaden. Diesmal nimmt es Jim mit den Piraten auf, die auf Rache sinnen, weil sie nun keine Kinder mehr an den besiegten Drachen Mahlzahn verkaufen können. Der Junge hofft auch von ihnen zu erfahren, woher er stammt.

Die Zuschauer erwartet ein Wiedersehen mit vielen beliebten Charakteren aus dem ersten Teil. Mit seinem Darsteller Solomon Gordon ist Jim ein gutes Stück gewachsen und die Beziehung zu seinem väterlichen Freund Lukas ist nun kollegialer. Eine wichtige Rolle spielt die Prinzessin Li Si, die ihren Willen gegenüber ihrem Vater durchsetzt, um Jim auf dem gefährlichsten Teil der Reise zu begleiten. Sympathien gewinnt auch der neue Charakter der fröhlichen Meerjungfrau Sursulapitschi. Wie die Meerjungfrau haben im Film, obwohl er nicht auf aufwändige Computeranimation verzichtet, auch viele Objekte – die Lokomotiven und Schiffe – und die meisten Kulissen eine materielle Gestalt. Dadurch erscheinen viele Szenen sinnlich greifbar, wie jene, in der sich Jim während eines Sturms in das Skelett kauert, das dem Piratenschiff als Galionsfigur dient.

Die überbordende Fantasie Michael Endes beim Ausmalen der verschiedenen Schauplätze wird erneut reizvoll filmisch übersetzt. Auf dem Magnetfelsen und der Insel der Piraten erkunden Jim und Lukas höhlenartige Räume, müssen sich die Kräfte der Natur zunutze machen. Eine sympathische Mischung aus handwerklich-technischem Verstand und märchenhaftem Fabulieren kennzeichnet die Erlebniswelt von Jim und Lukas.

Zwar sind gerade Jim und Lukas als ernste Charaktere auffallend nüchtern und zurückgenommen gespielt. Aber Humor entsteht, indem sie sich in Beziehung mit Skurrilem setzen. Da wären Piraten, die nicht zählen können und natürlich wieder Lokomotiven, die mit Scheinwerfer-Augen und Pfeiftönen kommunizieren. Dieser "Jim Knopf"-Realfilm sichert sich zusammen mit seinem Vorgänger eine attraktive Nische unter den Fantasyabenteuern für Kinder.

Fazit: Die Abenteuer des auf Lummerland aufgewachsenen Waisenjungen Jim gehen mit diesem Realfilm nach dem gleichnamigen Buch von Michael Ende in die zweite und letzte Runde. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer brechen erneut zu einer weiten Reise auf und fürchten weder die Naturgewalten noch böse Piraten. Die an eigentümlichen Schauplätzen und märchenhaften Wesen reiche Fantasygeschichte ist visuell sehr ansprechend mit vielen real gefertigten Objekten und Kulissenbauten gestaltet. Dem von Dennis Gansel inszenierten Film gelingt eine einnehmende Mischung aus Spannung und nostalgischem Zauber.





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