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Kritik: Greenland (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Katastrophenfilm fiel selbst einer Katastrophe zum Opfer. Wegen der Corona-Pandemie wurde sein regulärer Kinostart zunächst verschoben und in den USA inzwischen ganz abgesagt. Dort wird "Greenland" lediglich im Internet und auf dem Heimkinomarkt erscheinen. Angesichts der durchschnittlichen Katastrophenkost, die der Regisseur Ric Roman Waugh seinem Publikum hier auftischt, ist das kein allzu großer Verlust. Wer sich in diesen Krisenzeiten nach Krisenkino sehnt, wird aber zumindest ordentlich unterhalten.

Waugh begann seine Karriere als Stuntman, was man seinen Filmen auch ansieht. Als Regisseur verantwortete er bislang harte Stoffe wie "Felon"(2008), "Shot Caller" (2017) oder "Angel Has Fallen" (2019), die mitunter ins Pathetische und Patriotische abdriften. Aus letztgenanntem Film hat Waugh seinen Hauptdarsteller Gerard Butler mitgebracht. Der hat dieses Mal zwar eine vielschichtigere Rolle, bleibt aber wie der Rest des Ensembles ziemlich blass. Gegen die apokalyptischen Schauwerte kommen die Schauspieler schlicht nicht an. Immerhin dimmt Chris Sparlings Drehbuch das für Katastrophenfilme oft übliche und unerträgliche Pathos auf ein Minimalmaß herunter.

Neben der dosiert eingesetzten Action, die sich auch an ein jüngeres Publikum als Waughs bisherige Filme richtet, ist Sparlings Skript der große Gewinner dieses Films. Der große Unterschied zu vergleichbaren Blockbustern wie "Deep Impact" (1998) oder "Armageddon" (1998) ist die konsequente Erzählperspektive aus Sicht der Familie. Eine übergeordnete politische Ebene, die versucht, die Katastrophe abzuwenden, kommt bei Sparling nicht vor.

Das Ende der Handlung ist zwar vorhersehbar, der Weg dorthin nimmt aber immer wieder unerwartete Wendungen. Wirklich stark ist Sparling darin, Dinge nonverbal zu vermitteln. Bereits seine Exposition ist ein Lehrstück im Drehbuchschreiben. Der Autor hat einen Blick für Details. Seine Überlegungen, wie eine Gesellschaft auf ihren drohenden Untergang reagieren könnte, geraten indes zu formelhaft.

Fazit: "Greenland" ist ein Katastrophenfilm, der seine Geschichte konsequent aus Sicht einer Familie erzählt. Mit einem guten Auge für Details, letzten Endes aber etwas zu formelhaft geschrieben und inszeniert, bietet dieses Weltuntergangsszenario ordentliche Unterhaltung.




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