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Das Berlinale-Plakat 2013
Das Berlinale-Plakat 2013
© berlinale.de

63. Berlinale, Tag 3

Glamourporno und bluttriefende Liebe

Der wenig überraschend gut besuchte Panorama-Beitrag Lovelace zeigt den Moment, in dem Porno Mainstream wurde - und schließt damit quasi umgekehrt chronologisch an die gestern gezeigte Komödie Don Jon an, welche sich um einen Mann dreht, der von Internet-Pornoclips abhängig ist.
"Lovelace" erzählt das Leben von Porno-Legende Linda Lovelace, die seit dem Dokumentarfilm Inside Deep Throat (2005) wieder dermaßen en vogue ist, dass seitdem bereits drei Biopics geplant wurden. Zunächst mit Courtney Love, dann mit Lindsay Lohan in den Hauptrollen. Letztere war bisher die einzige Kandidatin, die dem "Deep Throat"-Star tatsächlich optisch realtiv nahe kam. Doch Lohans Unberechenkeit verhinderte diese Variante, die Rolle ging schließlich an Malin Akerman und kommt irgendwann unter dem Titel Inferno in die Kinos.
Amanda Seyfried mit ihren präraphaelitisch-lieblichen Zügen war aus schwer nachzuvollziehenden Gründen die Kandidatin der Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman, deren Doku-Hintergrund sich in der detailgetreu-schwelgerischen Ausstattung deutlich zeigt. Wohl um die übliche Abfolge aufzulockern, erzählen sie die Geschichte von Lindas Beziehung zu Chuck Traynor, ihrem Ehemann, zunächst gleich doppelt: Erst als mehr oder weniger straighte Liebesgeschichte, die 1972 in ihrem phänomenalen Erfolg als Glamour-Porn Star in "Deep Throught" ihren Höhepunkt hat. Und dann noch mal dasselbe - mit zuvor ausgelassenen Szenen, welche aus Lindas Perspektive zeigen, wie ihr Mann sie manipulierte, schlug, mit der Waffe bedrohte, zur Prostitution zwang, sie von fünf Männern vergewaltigen ließ und schließlich zu ihrem Auftritt in dem Pornoklassiker zwang. Der kurze letzte Akt widmet sich dann ihrem Ausbruch und lässt damit die in der Pressekonferenz verkündete Behauptung, einen "feministischen" Film gedreht zu haben, ziemlich absurd erscheinen. Zumal die Handlung gerade dann abbricht, als Linda ihre Laufbahn als Aktivistin gerade startete. Bleibt zu hoffen, dass "Inferno" sein Subjekt ein wenig würdiger behandelt. Ein Wettbewerbsbeitrag wie Lang lebe Charlie Countryman lässt die Frage aufkommen, worin genau die Kriterien bestehen, nach denen man die Kandidaten auswählt. Der Film beginnt mit dem blutverschmierten Geschicht von Shia Labaouf, das John Hurts heisere Voiceoverstimme bedeutungsschwanger als "the very face of love" beschreibt. Die darauffolgende Liebesgeschichte ist dünn, gelegentlich albern und erwacht auch durch extreme Close-Ups in jeder dritten Einstellung, sowie permanent anschwellende Musik nicht vollständig zum Leben. Werbe- und Videoregisseur Fredrik Bond hat im Prinzip ein überlanges, stark stilisiertes Musikvideo (weitgehend von Moby und Sigur Rós unterlegt) abgeliefert, mit SloMo-Verfolungsjadgen durch ein leicht märchenhaftes, aber bedrohliches Bukarest. Dort landet der Held auf den Rat seiner toten Mutter hin - nur um irgendwann festzustellen, dass sie eigentlich das Touri-freundlichere Budapest meinte (!). Und so lässt er sich nach dem spontanen Ausbruch der epischen Liebe (seinerseits) in eine lahme Gangstergeschichte zwischen den jeweiligen bösen Rollenklischees von Til Schweiger und Mads Mikkelsen verwickeln, um schließlich endlich wieder blutverschmiert am Anfang zu landen. Necessary - no way! Der Wettbewerbsbeitrag Gold spielt im Kanada des Jahres 1898: Emily Meyer (Nina Hoss) will mit einer Gruppe deutscher Einwanderer quer durchs Land zu den kürzlich entdeckten Goldfeldern in Dawson reisen. Die Strapazen zerren an den Nerven der Reisenden, die Konflikte eskalieren...
So mutig es auch von einem deutschen Regisseur ist, einen Western aufzugreifen: Mit Gold präsentierte Thomas Arslan (Im Schatten, Ferien) einen Genrefilm, der dem Genre nichts Neues hinzufügt – außer vielleicht einigen beeindruckenden Bildern."Zickzackkind" (Sektion Generation KPlus), ein belgisch-holländischer Kinderfilm mit Isabella Rosselini und Burghart Klaussner in Nebenrollen, erwies sich als lustig, abenteuerlich, fantasievoll und kurzweilig - also insgesamt gelungen. In der Pressevorführung erntete er viele Lacher und reichlich Applaus. Der Film basiert auf einem deutschen Kinderbuch, wurde aber etwas angepasst (das Buch spielt in den 50ern, der Film in den 70ern). Er erzählt die Geschichte von dem fast 13-jährigen Nono, der von seinem Vater - dem besten Inspektor der Niederlande - und dessen "Sekretärin" aufgezogen wird. Als sich Nono bei der Bar Mitzwa seines Cousins wieder mal daneben benimmt, wird er von seinem Vater kurzerhand zu einem Onkel geschickt - wo er allerdings nie ankommt. Denn auf der Zugfahrt trifft er einen mysteriösen Mann, der ihn auf eine abenteuerliche Reise nach Südfrankreich mitnimmt, in deren Verlauf Nono endlich mehr über seine verstorbene Mutter erfährt, von der er (laut Familie seines Vaters) das schlechte Benehmen geerbt hat…



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