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Pirates of the Caribbean: Salazars Rache
Pirates of the Caribbean: Salazars Rache
© Disney

Kritik: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Als Johnny Depp unter Gore Verbinskis Regie im von Jerry Bruckheimer produzierten "Fluch der Karibik" 2003 zum ersten Mal in See stach, gelang dem Trio damit ganz Erstaunliches. Die Drei erweckten nicht nur das Subgenre des Piratenfilms von den Toten, sie bewiesen auch, dass man mit einem dicken Budget aus jeder noch so mickrigen Vorlage einen Erfolg schmieden konnte. Schließlich basiert die Abenteuerkomödie offiziell auf der Themenfahrt eines Freizeitparks. Was Kritikern reichlich Anlass gab, Hollywoods Einfallslosigkeit zu bemängeln. Was diese dabei häufig übersahen, war Ted Elliotts und Terry Rossios durchaus einfallsreiches Drehbuch, das sich bei weitaus mehr Quellen als nur der eines Fahrgeschäfts bediente. Gepaart mit Depps selbstironischem Spiel, der Chemie zwischen den Nebendarstellern Orlando Bloom und Keira Knightley und gewitzten Stunts täuschte die Geschichte auch über manche Ungereimtheit und unnötige Länge hinweg.

Während die Budgets und Einspielergebnisse von Fortsetzung zu Fortsetzung stiegen und auf die ursprünglich als Trilogie angelegte Reihe zwangsläufig ein vierter Teil unter Rob Marshalls Regie folgte, gingen den Schreibern die Ideen zusehends aus. Im fünften Teil hat Jeff Nathanson das Drehbuch von Elliott und Rossio übernommen. Nathanson fällt allerdings – wie schon bei "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (2008) – nicht mehr ein, als alte Versatzstücke zu recyceln. Im Grunde erzählt "Pirates of the Caribbean: Salazars Rache" die Geschichte des ersten Teils nur leicht kaschiert noch einmal – und erinnert dadurch stark an "Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht" (2015). Doch während im Universum der Sternenkrieger das Wiedersehen mit alten Bekannten zumindest nostalgische Gefühle auslöste, wirken Orlando Bloom und Keira Kneightley mit ihren Kurzauftritten und ein in einer Sequenz computergenerierter, jugendlicher Johnny Depp auf hoher See nicht nur reichlich deplatziert, sondern unfreiwillig komisch.

Weder Will Turners Sohn Henry (Brenton Thwaites) noch die toughe Mathematikerin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die als potenzielles Liebespaar in die Handlung eingeführt werden und Blooms und Knightleys ursprüngliche Rollen spiegeln, reichen auch nur annährend an deren Witz, Würze und Spielwut heran. Johnny Depp ist als schrullig-tollpatschiger, charmant-überheblicher Kapitän Jack Sparrow längst nur noch ein Schatten seiner selbst. Und selbst eine Schauspielgröße wie Javier Bardem spult als Bösewicht Salazar in dieser ungelenken Piratenmär sichtlich unterfordert nur sein Standardprogramm herunter.

Woran es "Pirates of the Caribbean: Salazars Rache" jedoch in erster Linie ermangelt, ist der erzählerische Fokus. Der Film kommt erst nicht recht von der Stelle, franst dann an allen Ecken und Enden aus und versäumt es sträflich, angefangene Handlungsstränge konsequent auszuerzählen. Von der anfangs emanzipierten Carina ist am Schluss nur noch eine Jungfrau in Nöten übrig. Deren Romanze mit Henry versprüht ebenso wenig Funken wie die solide, aber bereits deutlich aufregender inszenierte Action.

Fazit: Budgets und Kreativität scheinen bei "Pirates of the Caribbean" diametral: je höher das Erste, desto geringer Letzteres. Mit dem fünften Teil der Abenteuerreihe ist nun der vorläufige Tiefpunkt erreicht. Ein lustlos agierender Star quält sich durch eine Handlung, die Versatzstücke der vorangegangenen Filme mehr schlecht als recht recycelt. An die Originalität, den Charme, Witz und die Würze der Vorgänger reicht "Salazars Rache" nicht annähernd heran.





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