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Ostfriesisch für Anfänger
Ostfriesisch für Anfänger
© Universum Film © DCM GmbH

Kritik: Ostfriesisch für Anfänger (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ob das ein Einheimischer gewesen sei, fragt Frau Lautenschläger staunend nach dem ersten flüchtigen Kontakt mit Uwe Hinrichs. Der Kulturschock ist groß für die Frau aus der Stadt und ihre Schützlinge aus fernen Ländern. In Uwes gepfändetem Haus kleben noch die alten Tapeten an den Wänden, aber hier öffnet nun ein "Zentrum für ausländische Fachkräfte" seine Pforten. In der Dorfkneipe heißt es zwar, "Utländer" hätten hier nichts verloren, aber die gut ausgebildeten Leute, unter ihnen eine vietnamesische Ärztin und ein libanesischer Schiffsingenieur, wollen nur ihren Integrationskurs absolvieren. Sie sind, darauf legt der Film offenbar Wert, keine Flüchtlinge und Asylbewerber. Dennoch spielt die Situation natürlich auf die Praxis der Unterbringung von Flüchtlingen auch in kleinen ländlichen Gemeinden an, in denen es für sie kaum eine Möglichkeit gibt, heimisch zu werden.

Unter der Regie von Gregory Kirchhoff nimmt eine Wohlfühlkomödie ihren Lauf, die im Rahmen der vom NDR mitinitiierten Nachwuchs-Filmreihe "Nordlichter" entstand. Sie erweckt den Eindruck einer seichten Fernsehunterhaltung, die sich der Lust am utopischen Brückenschlag hingeben darf. Das Dorf leidet unter der Globalisierung und Landflucht. Die Werft wurde geschlossen und die Produktion nach China verlagert, die Tankstelle gehört einer großen Kette, die Uwe mächtig unter Druck setzt, und Plattdeutsch spricht außer ihm kaum noch jemand. Die ausländischen Fachkräfte könnten dem Dorf neue Impulse geben, zum Beispiel auch schon, indem der Ingenieur Uwe beim Bau seiner geliebten Buddelschiffe unter die Arme greift. Da merkt man schon, wie wenig ernst die Geschichte all die aus dem Leben gegriffenen Themen nimmt, die sie benutzt. Die Kursteilnehmer aus den verschiedenen Kontinenten werden überwiegend als Statisten behandelt, die die Aufgabe haben, ratlos zu schauen. Die Veranstalter wuseln ohne jeglichen Mehrwert dazwischen. Die possenhaften Witze verfangen sich in einer Art Wiederholungsschleife, die die Ideenarmut des Films kaschieren soll. So müssen die Kursteilnehmer zum Beispiel eine gefühlte Ewigkeit auf ihren Unterricht warten.

Allein Uwe hat eine richtige Rolle, die aber zum Klischee gerinnt: der alte, traurige Mann, der eine neue Lebensaufgabe geschenkt bekommt. Obwohl Dieter Hallervorden hier sein schauspielerisches Potenzial nicht ausschöpfen kann, verleiht er der tumben Komödie aber dennoch Seele und eine gewisse provinzielle Erdung.


Fazit: In einem dahinsiechenden ostfriesischen Dorf soll ein Integrationskurs für ausländische Fachkräfte stattfinden. Zum Lehrer wird ausgerechnet der alte Misanthrop Uwe Hinrichs bestellt, der nur Plattdeutsch spricht. Anstatt Dieter Hallervorden eine Paraderolle zu bieten, gerät die Komödie zur ideenarmen Posse. In Ostfriesland mögen die Uhren vielleicht anders gehen, aber das schläfrige Tempo dieses Films hat andere Gründe.





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