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Mel Gibson - Der Patriot
Mel Gibson - Der Patriot
© Columbia TriStar

Kritik: Mel Gibson - Der Patriot (2000)


Der schwarze Regisseur Spike Lee warf ihm Rassismus vor, und Großbritannien schmollt, weil man sich dort nur ungern in der Rolle des gemeinen Schurken sieht. Ganz klar: "Der Patriot" von Roland Emmerich ist schon vor seinem offiziellen deutschen Kinostart ein ziemlich kontroverser Film. Das Drehbuch stammt von Robert Rodat, der auch Steven Spielbergs Weltkriegsdrama "Der Soldat James Ryan" schrieb. Rodat gilt als Flaggenschwenker erster Güte – und Emmerich als ausgemachter Fan von Spielbergs Filmen. Da hätte es ganz schnell passieren können, dass dieser Film zum salbungsvollen Kitschobjekt verkommt und seinem Titel – nomen est omen – alle Ehre macht: also ein einseitiges, manipulatives Kinodenkmal für die Helden der Vergangenheit? Die selbstverherrlichende Nabelschau einer vom Glanz der eigenen Hollywood-Mythen geblendeten Nation?

Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass ausgerechnet ein aus Deutschland importierter Filmemacher den "American Dream" und seine Helden hemmungslos glorifiziert: Erinnern wir uns nur an "Air Force One" von Wolfgang Petersen ("Der Sturm") oder an Emmerichs eigenes Alien-Spektakel "Independence Day". "Der Patriot" kam in den USA zudem kurz vor dem 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, in die Kinos. Stars and Stripes forever? An Vorurteilen herrscht bei diesem Fall mit Sicherheit kein Mangel ...

Die Fakten: "Der Patriot" zeichnet ein erzkonservatives Bild, das sich auf Heimatliebe und Familie stützt. Warme, einschmeichelnde Farben dominieren die meist episch breit gehaltenen Szenen; Tugenden wie Gehorsam und Respekt werden mit Nachdruck zelebriert. Die Schauplätze sind prächtig – so wie man es von einem großen Kriegsepos erwartet.

"Der mit dem Wolf tanzt" und "James Ryan" lassen grüßen: Die Härte des brutalen Krieges wird auch in diesem Film recht ungeschminkt gezeigt – und wie er gottesfürchtige Menschen zu blutrünstigen Monstern macht. Und wenn Mel Gibson heldenhaft zur Streitaxt greift, ist es zu "Braveheart" nicht mehr weit. Am Ende darf er – buchstäblich und im übertragenen Sinne – die amerikanische Flagge zu John Williams' orchestralen Klängen quer über die Leinwand schwenken.

Natürlich ist "Der Patriot" auch ein verkitschtes Stück Amerika. Spätestens in der zweiten Hälfte wird der Film sehr programmatisch und verwandelt sich von einem Kriegs- in ein profanes Rache-Epos, das in einen Showdown zwischen zwei brutalen und an ihre Überzeugungen, Prinzipien und Wertesysteme gebundenen Männern mündet. Dabei wird ziemlich deutlich, weshalb man in den USA bis heute nicht nur scheinheilig und prüde, sondern auch so vernarrt in Waffen ist.

John Williams' Filmmusik vermengt Americana, Ennio Morricone und John Barry zu sehr effektiven, aber keinesfalls genialen Klanggebilden. Die süßlich-melancholische Musik verstärkt das herzzerreißend kitschig eingeläutete, heroische Finale, bei dem die Guten und die Bösen bei einem scheinbar aussichtslosen Kampf von freiheitsliebenden Rebellen gegen das englische Imperium zusammenprallen: "Star Wars" im 18. Jahrhundert.

Vater und (ältester) Sohn: Mel Gibson und Heath Ledger ("10 Dinge, die ich an dir hasse") sind die optimalen Schauspieler für ihre Rollen. Und Roland Emmerich hat handwerklich inzwischen ein Niveau erreicht, mit dem er auf der Leinwand alles machen kann – koste es, was es wolle. Das Geld für neue Filmprojekte wird der Emigrant aus Baden-Württenberg von Hollywood in Zukunft stets bekommen: Das "Spielbergle aus Sindelfingen" hat zu seinem großen Vorbild offensichtlich wieder ein Stück aufgeschlossen – und einen sicherlich nicht ausgewogenen und/oder wahrhaftigen, zumindest aber durchaus sehenswerten Film gemacht.




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