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Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith
Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith
© Lucasfilm Ltd. & TM. All rights reserved. Used with permission.

Kritik: Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith (2005)


"Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith": Der Tragödie letzter Teil versöhnt die Fans

Mit aller Macht
Fast 30 Jahre lang hat Regisseur George Lucas seine Fans auf das Finale warten lassen: In "Episode III", dem letzten Akt der "Star Wars"-Reihe, schließt sich endlich der Kreis um Jedi-Ritter Anakin und seine schicksalhafte Mutation zum Bösewicht Darth Vader. Das digitale Trickspektakel setzt den Schlusspunkt hinter eine Kinosaga, die zuletzt auch hart gesottene Fans an den Rand der Verzweiflung brachte. Doch nun ist alles – selbst der androgyne Riesenlurchie Jar Jar Binks – vergeben und vergessen. Denn "Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith" ist das mit Abstand düsterste und tragischste Kapitel der alles in allem sechsteiligen Weltraumoper – und zudem überraschend zeitgemäß. Das fehlende Puzzlestück, auf das die Fans seit 28 Jahren warten, ist eher ein finaler Paukenschlag geworden, dessen grimmige Resonanz sogar den beiden ersten (ziemlich drögen) Prequel-Folgen neuen Wert verleiht. Mit "Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith" hat Kinovisionär George Lucas (61) nun sein Lebenswerk vollendet, und das Ergebnis ist zum Glück mehr als die Summe der sechs Einzelteile. "Star Wars" hat Lucas reich und weltberühmt gemacht, Millionen Fans begeistert und, last but not least, das Unterhaltungskino neu erfunden. Doch das war in 70er- und 80er-Jahren. Zuletzt, mit der vermurksten "Episode I: Die dunkle Bedrohung" und der nur mäßig besseren "Episode II: Angriff der Klonkrieger" hatte der Meister, offenbar von aller "Macht" verlassen, zahllose treue Fans enttäuscht. Zu schwerfällig, zu kitschig, seelenlos - so oder ähnlich lautete das unbarmherzige Verdikt der Kritiker. Auch "Episode III" ist ein Paradebeispiel für die Stärken – und die Schwächen – von George Lucas, der "Star Wars" als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur vollkommen dominiert. Die Romanze zwischen Anakin Skywalker (langmähnig: Hayden Christensen) und Padme Amidala (schwanger: Natalie Portman) wirkt folglich genauso hölzern und forciert wie im vorangegangenen Teil, und einige plumpe Dialoge möchte man am liebsten überhören. Doch gemessen an George Lucas' wiederaufkeimenden Qualitäten als Erzähler mythischer Geschichten sind dies eher Schönheitsfehler. In "Episode III" findet der Filmemacher endlich zu seiner alten Form zurück und kondensiert den bodenlosen Fundus seiner Phantasiewelt zu einer bitteren Tragödie – mitreißend, atemberaubend und monumental. Das gut zwei Stunden lange Epos ist dabei so kompromisslos düster, dass es mitunter schmerzt, dem Niedergang der mit den Jahren lieb gewonnen Helden auf der Leinwand zuzusehen. Nebenbei überrascht der Film auch noch mit einer zeitgemäßen Botschaft wider das Amerika von George W. Bush. Die Story selbst ist kein Geheimnis – schließlich ist "Episode III" der "missing link", in dem der Jedi-Ritter Anakin den Verlockungen der dunklen Seite der "Macht" erliegt und sich vom Hoffnungsträger zum Erzschurken wandelt. Kanzler Palpatine (alte Schule: Ian McDiarmid) mutiert dabei zum runzeligen Imperator, fast alle Jedis werden liquidiert, Yoda und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) flüchten ins Exil. Die Republik wird sich zum galaktischen Imperium, und Padme – Anakins heimliche Gemahlin – stirbt bei der Geburt der Zwillinge Leia und Luke, die in den Folgen IV bis VI die Rebellion anführen werden. Ganz klar: In "Episode III" regiert die Hoffnungslosigkeit, der Film markiert den Höhepunkt einer nahezu unbeschreiblichen Tragödie. Bonjour Tristesse! Thema ist folglich nicht das "Was", sondern das "Wie" und das "Warum". Gleich zu Beginn wirft uns der Film mitten ins Krieggetümmel einer wilden Weltraumschlacht über dem Stadtplaneten Coruscant, Heimat der Jedi-Ritter und Sitz der zerfallenden Republik. Kanzler Palpatine wurde entführt und befindet sich scheinbar in der Gewalt von Graf Dooku (todgeweiht: Christopher Lee) und General Grievous, der – halb Mensch, halb Maschine – die Kampfroboter der Separatistenallianz befehligt. Anakin und Obi-Wan eilen dem Kanzler zu Hilfe, was zu spektakulären Laserschwertduellen und schier unglaublichen Actionsequenzen führt. Doch Anakin ist mit sich selber nicht im Reinen. Der junge Jedi wird von Alpträumen geplagt, in denen seine schwangere Gemahlin Padme stirbt – ein Schicksal, das Anakin um jeden Preis verhindern will. Anakins Weg zur dunklen Seite ist somit mit den besten Absichten gepflastert. Schon bald ist der von Ehrgeiz, Liebe und Verlustängsten verwirrte Kämpfer hin und her gerissen zwischen der Loyalität zum Jedi-Orden und seinem neuen Mentor Palpatine. So folgt der Untergang der Republik dem Niedergang des Jedi-Ritters Anakin – und mündet in eine sehr menschliche Tragödie. In seinem Kern handelt das "Star Wars"-Epos schließlich nicht von Leia, Luke und Co., sondern beschreibt vielmehr in sechs qualitativ recht volatilen Episoden den Lebensweg von Anakin Skywalker alias Darth Vader: seinen hoffnungsvollen Aufstieg, seinen tragischen Fall und seine späte Läuterung. Erst "Episode III" jedoch liefert den Schlüssel für die ganze Saga – danach wird man nicht nur Darth Vader, der die Leinwand einmal als gesichts- und seelenloses Abziehbild betrat, sondern auch die fünf restlichen Kapitel der Geschichte mit ganz neuen Augen sehen. Sein Können als Regisseur beweist George Lucas nicht zuletzt mit ausgefeilten Parallelmontagen, in denen Gut und Böse mannigfaltig aufeinanderprallen. Handwerklich – und damit sind vor allem die Computertricks gemeint – befindet sich der Film dabei auf einem Höchstniveau, das seinesgleichen sucht. Den Oscar für die besten Visual Effects hat "Episode III" vermutlich jetzt schon in der Tasche – die Messlatte dürfte wohl selbst von Steven Spielberg ("Krieg der Welten") oder Peter Jackson ("King Kong") nicht zu überbieten sein. Ganz gleich wie düster "Episode III" auch endet: Für "Star Wars"-Fans, die 28 Jahre lang darauf gewartet haben, ist dies ein überaus versöhnliches Finale. Denn obwohl das böse Empire die Oberhand gewinnt, ist der Glaube an den Mythos "Star Wars" anschließend lebendiger als je zuvor.




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