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Kritik: Silence (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Silence" basiert auf dem 1966 veröffentlichten Roman "Schweigen" von Shūsaku Endō – und ist ein Herzensprojekt des US-Filmemachers Martin Scorsese, der den Stoff bereits seit Anfang der 1990er Jahre umsetzen wollte. Seinem Interesse an religiösen Fragen ging Scorsese – welcher einst eine Laufbahn als Priester anstrebte und die Jesuitenschule besuchte – etwa schon in "Die letzte Versuchung Christi" (1988) nach; und auch in seiner neusten Arbeit beweist der Regisseur gemeinsam mit seinem Kameramann Rodrigo Prieto ein feines Gespür dafür, Gesten des Glaubens in treffend-prägnanten Bildern festzuhalten: Das Überreichen eines Kreuzes, das Spenden der Taufe oder die Abnahme der Beichte – all diesen sakralen Akten wird in Detail- und Naheinstellungen große Bedeutung zugemessen. Hinzu kommen – neben virtuosen Naturbildern – schwer zu ertragende Passagen der seelischen und körperlichen Grausamkeit: Die Anhängerschaft des Christentums muss im Japan der 1630er Jahre Zumutungen und Demütigungen, Leid und Schmerz durch Folter erfahren – und findet nicht selten einen qualvollen Tod.

Der Film durchbricht seine ernste Gesinnung und seine erschütternde Wirkung gelegentlich durch aberwitzige Momente, für welche insbesondere zwei Figuren sorgen: zum einen der von Yōsuke Kubozuka verkörperte Kichijiro, dessen wiederholter Verrat seines Glaubens sowie seiner Mitmenschen (mit anschließender Bitte um Vergebung) im Laufe der Handlung beinahe zu einer komischen Nummer wird – und zum anderen der von Issei Ogata perfide-diabolisch interpretierte Inquisitor Inoue, der seiner Tätigkeit mit irritierend süffisanter Art nachgeht. Die darstellerischen Leistungen sind durchweg solide bis hervorragend; der auch als Regisseur bekannte Shin'ya Tsukamoto ("Tokyo Fist") kann als integrer Dorfbewohner ebenso überzeugen wie Liam Neeson in der Rolle von Pater Ferreira, dem wir als Zuschauer_innen zu zwei sehr unterschiedlichen Zeitpunkten in seiner Entwicklung begegnen.

Die von Andrew Garfield ("The Amazing Spider-Man") und dem erstaunlich starken Adam Driver ("Star Wars – Das Erwachen der Macht") gespielte, priesterliche "Zwei-Mann-Armee", deren Herzenswunsch es ist, Ferreira in Japan ausfindig zu machen und zudem ihren Glauben zu verbreiten, könnte in ihrem Idealismus kaum weiter entfernt sein von dem unmoralischen Duo, das Leonardo DiCaprio und Jonah Hill in Scorseses zynisch-satirischer Vorgängerschöpfung "The Wolf of Wall Street" (2013) auf die Leinwand brachten. Dennoch werden die Missionare Rodrigues und Garupe nicht als reine Sympathieträger gezeichnet; überdies verzichtet "Silence" darauf, die beiden zu heroisieren: Oft werden sie in die Beobachterposition gedrängt, müssen sich verstecken und die Qual anderer hilflos mit ansehen.

Fazit: Das Werk bietet meisterliche Aufnahmen und einige denkwürdige Auftritte, ist in seiner Mischung aus tiefem Ernst, Brutalität und Absurdität jedoch eine extrem strapaziöse Seherfahrung.




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