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Drachenzähmen leicht gemacht 2
Drachenzähmen leicht gemacht 2
© 20th Century Fox

Kritik: Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Überzeugen konnte der 2010 veröffentlichte Familienspaß "Drachenzähmen leicht gemacht" nicht nur mit atemberaubenden Animationen. Auch seine Figurenzeichnung und die Handlung rund um einen handfesten Vater-Sohn-Konflikt waren überdurchschnittlich ausgeprägt, weshalb Publikum und Kritik gleichermaßen Gefallen fanden an der recht freien Adaption der Kinderbuchreihe von Cressida Cowell. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an den nun startenden Nachfolger (Teil drei soll 2016 folgen), bei dem erneut Dean DeBlois – dieses Mal allerdings ohne den anderweitig gebundenen Chris Sanders – für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete.

Obwohl sich die Verhältnisse auf der Wikinger-Insel Berk grundlegend geändert haben, seit Menschen und Drachen friedlich zusammenleben, erzählt auch das Sequel von einer Auseinandersetzung zwischen dem cleveren Häuptlingssohn Hicks und seinem sturen, aber liebenswerten Vater Haudrauf. Musste der linkische, von allen verlachte Teenager im Vorgänger noch um Anerkennung kämpfen, ist er mittlerweile ein kleiner Held, da er die Bevölkerung über das wirkliche Wesen der einst verhassten Feuerspeier aufgeklärt hat. Selbst fünf Jahre später ist Haudrauf noch immer stolz auf seinen weitsichtigen Sohn und will ihn daher so schnell wie möglich als seinen Nachfolger inthronisieren. Der nach wie vor wissbegierige Hicks hingegen hält sich für gänzlich ungeeignet und sucht stattdessen verzweifelt nach seiner wahren Bestimmung. Ausdruck dieser Unsicherheit sind seine ständigen Erkundungstouren, die er gemeinsam mit seinem treuen Freund Ohnezahn unternimmt.

Die Coming-of-Age-Geschichte, die schon den ersten Teil durchzieht, kommt nun voll zur Entfaltung, geht es letztlich doch um nichts anderes als den endgültigen Eintritt in die Welt der Erwachsenen. Hicks, der inzwischen zu einem jungen Mann gereift ist, soll den letzten Schritt nehmen und seine kindliche Unbekümmertheit hinter sich lassen. Die aus dieser Verpflichtung entstehende Identitätskrise bekommt zusätzliche Brisanz, als der Anführer in spe auf die geheimnisvolle Valka trifft. Eine kühne Drachenflüsterin, die verhindern will, dass der größenwahnsinnige Drago den Frieden zwischen Menschen und Feuerspeiern zunichtemachen kann.

Selbst wenn der Film mit einem rasant-spaßigen Drachenrennen beginnt und auch danach allerhand komische Akzente setzt (in erster Linie über witzige Nebenfiguren wie den Schmied Grobian), nimmt der Plot mit zunehmender Dauer verhältnismäßig düstere Züge an. Was an sich noch nicht verwerflich ist, da der zweite Teil eine ernstere und "erwachsenere" Perspektive präferiert. Leider verfällt DeBlois jedoch der gängigen Sequel-Praxis, wonach im neuen Abenteuer alles größer und lauter sein muss. So ist Drago ganz einfach der Inbegriff des Bösen. Ein Machtmensch, der die Welt ins Chaos stürzen will und daher unermessliche Gefahr verströmt. Die Handlung läuft vor diesem Hintergrund geradewegs auf eine monumentale Schlacht hinaus, die an bekannte Fantasy-Epen erinnert, deren Exzesse kleine Zuschauer allerdings nachhaltig verschrecken könnten. Emotionale Zwischentöne machen Platz für einen pathetischen Rettungsdiskurs. Und Hicks wandelt sich zum großen Erlöser, während die als mutige Kämpferin eingeführte Valka in eine undankbare Beobachterrolle gedrängt wird.

Dass "Drachenzähmen leicht gemacht 2" trotz dieser inhaltlichen Mängel nicht enttäuscht, ist vor allem dem visuellen Tatendrang seiner Macher zu verdanken. Ähnlich wie im ersten Teil zaubern DeBlois und sein Kreativteam erstaunlich lebensechte Animationen auf die Leinwand, die in puncto Detailreichtum nur schwer zu übertreffen sind. Kein Drache gleicht dem anderen, die Mimik der Figuren erreicht beinahe realistische Ausmaße, und die vielen spektakulären Flugpassagen reißen den Zuschauer mit, ohne dass seine Orientierung dabei auf der Strecke bliebe. Sollte der Abschluss der Drachentrilogie erzählerisch wieder etwas ausgewogener daherkommen, steht uns 2016 wohl ein richtig großes Animationshighlight bevor.

Fazit: Trotz grandioser Optik reicht "Drachenzähmen leicht gemacht 2" nicht ganz an seinen Vorgänger heran, dessen Geschichte weniger aufgeblasen, dafür aber etwas ergreifender wirkt.




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