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Mein bester & Ich
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© Constantin Film

Kritik: Mein Bester & ich (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der zählte wahrscheinlich zu den neun Millionen Zuschauern, die "Ziemlich beste Freunde" in Deutschland in die Kinos lockte. In Frankreich avancierte Olivier Nakaches und Éric Toledanos Komödie zur dritterfolgreichsten aller Zeiten und machte Hauptdarsteller Omar Sy endgültig zum Star. Um die Sinnhaftigkeit eines Remakes lässt sich trefflich streiten. Zumindest für Hollywood erscheint eine Neuauflage plausibel, spielte der Film beim untertitelscheuen US-Publikum doch lediglich zehn Millionen US-Dollar ein. Allein an seinem Startwochenende erzielte "Mein Bester & ich" in Nordamerika nun das Doppelte. Doch macht das Remake seine Sache auch doppelt so gut?

Zunächst einmal macht "Mein Bester & ich" kaum etwas anders. Auch Regisseur Neil Burger eröffnet seinen Film mit einer Vorblende, in der sich Kevin Hart als Pfleger Dell und Bryan Cranston als gelähmter Milliardär Philip eine Verfolgungsjagd mit der Polizei liefern. Danach folgt das Skript mehr oder minder 1:1 dem Original – Peniswitze und Spaß in der Oper inklusive. Dells familiärer Situation räumt das Remake mehr Platz ein. Dafür schreibt es die Lebensgefährtin von Philips rechter Hand Yvonne (Nicole Kidman) komplett aus der Handlung, um dem Chef und seiner Angestellten ein romantisches Happy End zu ermöglichen. Es ist eine von vielen vertanen Chancen, die Neuauflage gegenüber dem Original aufzuwerten.

"Mein Bester & ich" ist das erste große Drehbuch für Jon Hartmere, und der Autor scheint sich nicht zu trauen, die Geschichte dem neuen Handlungsort und der Zeit anzupassen. In den sieben Jahren, seit das Original erschienen ist, ging in den USA die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Links und Rechts noch weiter auseinander. Von einem milliardenschweren Präsidenten, der unentwegt Hass schürt, ganz zu schweigen. Dieser Entwicklung trägt Hartmeres Handlung zu keiner Zeit Rechnung. Die sozialkritischen Untertöne sind minimal und werden von Kalauern und Wohlfühlmomenten übertüncht. Bei den Pointen vertraut er ganz auf das Gefälle zwischen der Welt eines kunstbeflissenen Milliardärs und der eines vorbestraften Kunstbanausen und bedient damit leider dieselben Klischees wie schon "Ziemlich beste Freunde".

Regisseur Neil Burger setzt die Beziehung zweier ungleicher Männer, die einander etwas über das Leben beibringen, solide um. Seine Inszenierung ist im besten Sinne unauffällig. Die Bilder von Kameramann Stuart Dryburgh sind gefällig, ebenso die Sets. Und Rob Simonsens Musik begeht nicht denselben Fehler wie Ludovico Einaudis Originalscore, die Handlung in sentimentalem Klavierkitsch zu ersäufen.

"Mein Bester & ich" ist nicht gelungen, aber besser als manches einfallslose Remake der vergangenen Jahre. (Die uninspirierte und grauslich gespielte deutsche Komödie "Schatz nimm du sie!" (2016), die auf dem französischen Kinohit "Mama gegen Papa" (2015) basiert, kommt einem als abschreckendes Beispiel in den Sinn.) Das liegt vor allem an den beiden gut aufgelegten Hauptdarstellern. Die Chemie zwischen Kevin Hart und Bryan Cranston reicht zwar nicht an die zwischen Omar Sy und François Cluzet heran, aber die wenigen Pointen sitzen. Davon hätten es gern ein paar mehr sein dürfen. Wer das Original gesehen hat, kann sich das Remake getrost sparen.

Fazit: Ein Remake, das die Welt nicht braucht. Regisseur Neil Burger und sein Drehbuchautor Jon Hartmere vermögen es weder, an den Charme des Originals anzuknüpfen, noch die Geschichte adäquat an die US-amerikanische Gegenwart anzupassen. Dass die Komödie dennoch nicht vollständig in Sentimentalität und Kitsch ertrinkt, ist den gut aufgelegten Hauptdarstellern Kevin Hart und Bryan Cranston zu verdanken.




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