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Kritik: Maleficent - Die dunkle Fee (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ihr Name ist Programm. Maleficent (vom lateinischen "maleficus" für boshaft) gilt als Inbegriff von Niedertracht und Verkommenheit. Eine böse Fee mit steinernem Herzen, die ein unschuldiges Kind in einen immerwährenden Schlaf versetzt. So tritt sie dem Zuschauer in Disneys Zeichentrickklassiker "Dornröschen" aus dem Jahr 1959 entgegen. Die nun anlaufende Realfilm-Version im Fantasy-Gewand will das einseitige Bild ein wenig geraderücken und erzählt die bekannte Geschichte aus der Perspektive der vermeintlich durchtriebenen Antagonistin. Wie sich dabei zeigt, ist sie keineswegs von Grund auf böse, sondern verliert erst durch menschlichen Verrat den Glauben an das Gute.

Die vormals eindimensionale Gegenspielerin erscheint plötzlich in neuem Licht und gewinnt an Komplexität, da Maleficent (Angelina Jolie) an ihrem hinterhältigen Handeln zu zweifeln beginnt, als sie die hübsche Königstochter Aurora (Elle Fanning) aufwachsen sieht. Das Mädchen ist die Unschuld selbst und begegnet allen Lebewesen mit Offenheit und großer Güte. Bei diesem Anblick fühlt sich die dunkle Fee mehr und mehr an ihre frühere Warmherzigkeit erinnert, steht allerdings vor dem Problem, dass sie den einmal ausgesprochenen Fluch nicht rückgängig machen kann. Ein emotionales Durcheinander, das die Handlung vorantreibt, Maleficent zu einer quasi tragischen Figur avancieren lässt und Angelina Jolie die Möglichkeit für ein famoses Leinwandcomeback bietet.

Nach mehrjähriger Schauspielpause geht der Superstar ganz in der ambivalenten Titelrolle auf. Wandelt leichtfüßig zwischen unterschiedlichsten Facetten. Gibt mal den kaltherzigen Racheengel, dann wieder die boshafte Spötterin und in zunehmendem Maße die erhabene Fee mit großem Mitgefühl. Jolies Präsenz ist stets beeindruckend (auch wegen ihres atemberaubenden Kostüms), kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass vielen Nebenfiguren zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Vor allem König Stefan (Sharlto Copley), der Maleficent einmal sehr nahe gestanden hat, kommt über den Status eines machthungrigen Klischeebösewichts nicht hinaus. Dass sein Hass auf die Fee irgendwann obsessive Züge annimmt, muss schon verwundern, da er sich für das Schicksal seiner Tochter nur vordergründig zu interessieren scheint. Hier liegt leider einiges im Argen.

Anders als bei der Zeichnung der Nebenfiguren und der manchmal etwas holprigen Erzählführung, weiß "Maleficent – Die dunkle Fee" optisch durchaus zu überzeugen. Regieneuling Robert Stromberg, der als Szenenbildner zweimal den Oscar erhielt (für "Avatar - Aufbruch nach Pandora" und "Alice im Wunderland"), lässt den Zuschauer schon zu Beginn in imposante Welten eintauchen – etwa den verwunschenen Zauberwald der Protagonistin. Die Bilder schmeicheln dem Auge und geben dem Märchenspektakel die nötige Ausdruckskraft, hätten sich in manchen Fällen aber etwas deutlicher von anderen Fantasy-Vorbildern (insbesondere "Der Herr der Ringe") abheben dürfen. Äußerst lobenswert ist wiederum, dass die Macher die ernsten und düsteren Aspekte der Geschichte nicht herunterspielen, sondern visuell stark betonen und so des Öfteren eine unheilvolle Stimmung erzeugen (für ganz kleine Kinder ist der Film daher eher ungeeignet).

Fazit: Bildgewaltige Realfilm-Neuinterpretation des Zeichentrickklassikers "Dornröschen", die vom famosen Spiel Angelina Jolies lebt, einen äußerst spannenden Perspektivwechsel vornimmt, stellenweise aber etwas holprig und unausgewogen daherkommt.





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