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Im August in Osage County
Im August in Osage County
© Tobis Film

Kritik: Im August in Osage County (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das schwarzhumorige Drama von Regisseur John Wells porträtiert eine zutiefst abschreckende Familie aus den amerikanischen Great Plains. Es basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Tracy Letts, das 2008 den Pulitzerpreis bekam. Der Autor schrieb auch das Drehbuch, in dessen Zentrum ein streitbares Mutter-Tochter-Gespann steht, das von Meryl Streep und Julia Roberts brillant gespielt wird.

Die Geschichte sägt so genüsslich wie gründlich am traditionell positiven Bild der Familie. Im Laufe der Handlung erzählt Violet ihren Töchtern ein Erlebnis aus der eigenen Kindheit, in dem sich die Grausamkeit ihrer kaltherzigen Mutter offenbart. Barbara beginnt zu ahnen, warum Violet selbst so rücksichtslos mit den Gefühlen anderer Leute umgeht. So verschieden die drei Schwestern auch sind, ihre Partnerschaften sind vor diesem Familienhintergrund ebenfalls dazu verdammt, in die Brüche zu gehen: Die emotionalen Defizite pflanzen sich deutlich über Generationen fort.

Die so labile, wie aggressive Violet reagiert nach der Beerdigung ihren Kummer und ihre Einsamkeit an den Angehörigen ab. Meryl Streep spielt diese boshafte, von Tabletten enthemmte Frau furios. Gleichzeitig aber lässt sie Violets seelische Not, die unausgesprochene Trauer anrührend durchscheinen. Die stark und bodenständig wirkende Barbara stellt sich der Mutter in den Weg, wenn sie verbal wieder Porzellan zerschlägt, versucht sie zu stützen, zu verstehen, zu bremsen, und stößt dabei doch nur an ihre Grenzen. Wie die Fetzen fliegen, besonders beim schrecklichen Leichenschmaus, inszeniert Wells mit treffsicheren Pointen. Vor Violets gnadenlosem Blick bleibt keine noch so kleine Schwäche oder Unstimmigkeit im Kreis der Anwesenden verborgen.

Die Weite des Graslandes von Oklahoma, in der ein einzelnes Haus wie das der Westons von der leeren Fläche rundum verschluckt wird, lässt erahnen, wie leicht sich die Menschen hier verloren vorkommen. Sie sind auf sich gestellt, ihren Familien ausgeliefert. Einmal rennt Violet hinaus auf ein freies Feld und Barbara folgt ihr mit den beschwichtigenden und zugleich desillusionierten Worten, hier sei doch nichts, wohin man gehen könne.

Die Ausfälle und Enthüllungen summieren sich zu einem schaurig-schönen Ausnahmezustand, der weit über das hinausgeht, was durchschnittliche Familien aus eigener Erfahrung kennen. Aber es gibt stets auch solche konfliktreichen Dialoge, die aus dem Leben gegriffen wirken. Die Offenheit, mit der sonst oft nur hinter vorgehaltener Hand gemurmelte Ansichten ausgesprochen werden, macht den besonderen Reiz des Dramas aus. Tiefergehende Emotionen aber stellen sich nicht ein, denn die Charaktere sind nicht auf Entwicklung und Veränderung ausgelegt, sondern sollen als abschreckendes Beispiel dienen.

Fazit: Mit schwarzem Humor und einem von Meryl Streep und Julia Roberts beeindruckend gespielten, streitbaren Mutter-Tochter-Gespann porträtiert das kurzweilige Drama genüsslich eine wahrlich abschreckende Familie.





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