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Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Guardians of the Galaxy (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Von all den Ikonen des Marvel-Universums sind sie nicht gerade die bekanntesten. Die seltsamen Antihelden namens "Guardians of the Galaxy", die 1969 zum ersten Mal das Licht der Welt erblickten und 2008 eine Neuzusammensetzung erfuhren. Eben diese Frischzellenkur diente Filmemacher James Gunn und Drehbuchnovizin Nicole Perlman als Grundlage für ihr Skript zu einem anarchisch-gewitzten Space-Abenteuer, das an den amerikanischen Kinokassen alle Erwartungen sprengte. Nicht von ungefähr, wie der Blick auf den mittlerweile zehnten Beitrag der fortlaufenden Marvel-Kinoreihe zeigt, der die Superhelden-Agenda des Comic-Kosmos geschickt mit dem altmodischen Weltraumflair der "Star Wars"-Saga verbindet.

Mögen die grundverschiedenen Protagonisten – der menschliche Meisterdieb Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), die Alien-Killerin Gamora (Zoe Saldana), der Hüne Drax (Dave Bautista), der Waschbär Rocket (Originalstimme: Bradley Cooper) und das Baumwesen Groot (Originalstimme: Vin Diesel) – anfangs noch etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, entfachen sie recht bald eine ungeahnte Gruppendynamik, die am laufenden Band amüsante Scharmützel erzeugt. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht, hält die anderen Mitglieder der Zweckgemeinschaft für unfähig und scheut sich nicht, dies offen zu bekräftigen.

Hervortun kann sich hier vor allem der waffenvernarrte Rocket, der keine Gelegenheit auslässt, um den Dilettantismus seiner Mitstreiter abschätzig zu kommentieren, und dabei einige der treffendsten Oneliner zum Besten geben darf. Das krasse Gegenteil zum vorlauten Waschbär bildet sein einsilbiger Begleiter Groot, der im Prinzip nur einen einzigen Satz beherrscht ("Ich bin Groot"), mit zunehmender Dauer allerdings zum emotionalen Anker der Außenseitertruppe avanciert. Womit Gunn und Perlman überzeugend unter Beweis stellen, dass es keine pathetisch-aufgeblasenen Reden braucht, um das Publikum ernsthaft zu berühren. Drax wiederum sorgt mit seiner körperlichen Präsenz für Aufsehen und droht, da er einige Wortspiele und Metaphern nicht auf Anhieb versteht, mehrfach aus der Haut zu fahren. Der draufgängerische Star-Lord fungiert als Identifikationsfigur des Zuschauers und wächst im Verlauf der Ereignisse in die Rolle des Mittlers zwischen den widerwilligen Gefährten hinein. Der Walkman und die Kassette mit Ohrwürmern aus den 70er und 80er Jahren, die er hütet wie einen Schatz (eine tragische Backstory lässt grüßen!), verleihen dem Geschehen zudem einen nostalgischen Anstrich. Überaus amüsant sind schließlich auch Quills Bemühungen, der attraktiven wie eigensinnigen Gamora näherzukommen, die jedoch stets mit einer abrupt-komischen Abfuhr enden.

Was der Geschichte rund um ein gefährliches Artefakt und die finsteren Pläne des Bösewichts Ronan (Lee Pace) an Originalität abgeht, wird durch die schrägen, aber charmant gezeichneten Figuren mehr als wettgemacht. Immer wieder zaubern die Verantwortlichen neue Ideen aus dem Hut, wenn es darum geht, die Beziehung der fünf eigenartigen Superhelden in unerwartete Bahnen zu lenken. Kein Wunder also, dass "Guardians of the Galaxy" stets unterhaltsam ist, obwohl die groben Handlungslinien recht vorhersehbar bleiben. Auch Optisch gibt sich die 170-Millionen-Dollar-Produktion nur wenig Blöße. So sind etwa die unterschiedlichen Weltraumschauplätze überaus detailreich gestaltet, was sich auch für das Masken- und Make-up-Design sagen lässt. Lobend erwähnen muss man darüber hinaus die erstklassige Animationsarbeit im Hinblick auf die Computerwesen Rocket und Groot, deren Interaktion mit den menschlichen Darstellern jederzeit authentisch wirkt.

Verschmerzen lässt sich angesichts derartiger Vorzüge, dass einige Nebenfiguren bzw. Gaststars etwas wenig Handlungsspielraum bekommen und daher keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Ebenso wie der Hinweis auf die recht konventionelle Plot-Struktur ist das jedoch nur eine Fußnote, die dem Charme und dem Schwung des spaßig-durchgeknallten Treibens nicht allzu viel anhaben kann.

Fazit: Ein Sommerblockbuster, wie man ihn sich wünscht. Flott inszeniert, visuell beeindruckend und von abgedreht-sympathischen Figuren getragen. So macht Unterhaltungskino Spaß!




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