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Jason Bourne
Jason Bourne
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Jason Bourne (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Seit 2002 "The Bourne Identity" (Regie: Doug Liman) in die Kinos kam, hat Jason Bourne (Matt Damon) nach seinem Gedächtnis und seiner Identität gesucht, mit "The Bourne Ultimatum" (Regie: Paul Greengrass) hatte er sie dann gefunden. Er erfuhr, dass er eigentlich Daniel Webb heißt und von der CIA zum Killer ausgebildet wurde. Daraufhin tauchte er unter – und die Reihe schien 2007 beendet. Doch nun ist Jason Bourne wieder da!

In einer geschickten Montage mit klug ausgewählten Szenen der Vergangenheit werden die Ereignisse der Vorgängerteile zu Beginn von "Jason Bourne" zusammengefasst, dann wird man ins die pralle Sonne der Gegenwart geschleudert. Bourne sitzt in einem Wagen, er sieht müde und geschafft aus. Das Auto hält, die Männer steigen aus, sie sind auf einem staubigen Platz irgendwo in Griechenland gelandet. Dort werden Faustkämpfe veranstaltet – und der müde Bourne knockt seinen Gegner mit einem Schlag aus. Mit diesem handfesten Dasein will er die Vergangenheit vergessen, die Toten, die auf sein Konto gehen, verdrängen und sich gewissermaßen selbst bestrafen. Zur gleichen Zeit ist seine ehemalige Vertraute Nicky Parsons (Julia Stiles) in Island unterwegs und hackt sich in die Computer der CIA. Sie bekommt Zugang zu den geheimen Operationen und entdeckt nicht nur, dass die CIA abermals etwas Verbotenes plant, sondern auch die Akten über die Operation, die Daniel Webb zu Jason Bourne werden ließ. Sie sucht ihn in Griechenland auf – aber das CIA in Person der cleveren Computersicherheitsspezialistin Heather Lee (Alicia Vikander) ist ihr virtuell bereits auf den Fersen. Als CIA-Direktor Robert Dewey (Robert Dewey) erfährt, dass Jason Bourne aufgetaucht ist und zudem die Enttarnung seiner neuen höchstgeheimen Spionageaktion droht, schickt er ein sehr reales Killerkommando hinterher.

Der nunmehr vierte Teil der Reihe hat im Grunde genommen eine interessante Ausgangsprämisse: Wie lebt ein Killer mit seinen Taten, nachdem mit einem Teil der Identität auch das Gewissen zurückgekehrt ist? Diese psychologische Fragestellung würde hervorragend zu einer Reihe passen, die mit Übernahme des Regiestuhls von Greengrass auf Realität gesetzt hat. Jedoch greift in "Jason Bourne" allzu schnell die langweilige Formel des Hollywood-Actionkinos, nach der wenigstens drei zu lange Verfolgungsjagden in dem Film sein müssen, bei denen der Protagonist möglichst wenig und der Antagonist möglichst viele Menschen tötet, und die Hauptfigur ihre Rachsucht vor allem mit Gewalt auslebt. Hinzu kommt, dass nach Franka Potente im zweiten Teil nun auch Julia Stiles als Helferin von Jason Bourne ausgedient hat – und durch die nächste jüngere Frau ersetzt wird. Sicherlich hätte Heather Lee eine interessante Figur werden können. Doch die angelegte Ambivalenz und Cleverness wird beständig unterlaufen, so dass durch das Ende sogar die angedeutete Fortsetzung an Spannung verliert.

Im Plot versucht sich Paul Greengrass an der modernen Geschichte von Datensicherheit und Internetspionage, die man in Post-Snowden-Zeiten bereits kennt – doch auch hier warten keine Überraschungen, vielmehr ist die Naivität mancher Beteiligten überraschend. Damit ist also auch die Jason-Bourne-Reihe endgültig in der langen Liste der Actionfilmhelden angekommen, die sich um Aktualität bemüht, letztlich aber die Chance auf tatsächliche Neuerung und Innovation zugunsten der Konventionalität aufgibt.

Fazit: "Jason Bourne" ist ein allzu langer und konventioneller Actionfilm, der aus seinen interessanten Anlagen leider zu wenig herausholt.




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